Großartiger Sketch über zwei Manager mit Bullshit-Bingo-Syndrom und die gute alte Zeitung zum Anfassen. Aufgeführt anlässlich der Verleihung des Henri-Nannen-Preises 2008. Fazit: Beim Schwanzvergleich hat Print eindeutig den längeren.
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(via Twitter)
„Frau K.“, tönt es aus dem Hörer, „Frau K., wenn’s gerade passt, komme ich kurz vorbei. Dauert nicht lange, vielleicht 20 Minuten. “ So spricht mein Versicherungsfuzzi und macht sich auf den Weg. Ich kann ihn übrigens sehr empfehlen, weil er sich umfassend kümmert, mir jedes Vertragsdetail gerne auch fünfmal erklärt und dafür sorgt, dass ich meine Deadlines nicht verpasse. Gold wert, der Mensch, einfach Gold wert. Na, jedenfalls ist er dann irgendwann da und strahlt, weil schon eine Kanne Tee auf ihn wartet. Die Minuten verfliegen, wir besprechen den Versicherungsquatsch, es verfliegen noch ein paar Minuten mehr, wir kommen vom Hölzchen aufs Stöckchen, von Schokolade zu Musik und plötzlich sind zwei Stunden rum. Später am Tag legt er mir per E-Mail sein liebestes Mash-up ans Herz, und auch das kann ich sehr empfehlen:
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Und irgendwo in Stuttgart, in einem Krankenhaus, sitzt sie und wartet darauf, dass ihre Mutter stirbt. Die kleine Tochter im Arm, die gerade das Krabbeln und Brabbeln lernt. Die so gerne mit Omas Perücke spielt und die Einzige ist, die bei dem eingefallenen, zerfressenen Anblick nicht erschrickt. Weil sie Oma nicht anders kennt. Auch nie kennenlernen wird. Und wenn Oma in den paar Momenten oberhalb der Morphium-Oberfläche auch nicht mehr viel will, außer dass diese Qual für alle Beteiligten endlich vorbeigeht, muss man ihr das zugestehen. Zustimmen, uneingeschränkt. Was allerdings nichts daran ändert, dass man dennoch dreimal am Tag losheulen könnte, weil’s einfach nicht wahr sein darf.
Einmal in der Woche moderiere ich abends für einen meiner Auftraggeber eine kleine Experten-Zuhörer-Runde. Die Zuhörerinnen und Zuhörer können sich dabei in eine Telefonkonferenz einwählen, Fragen stellen oder auch einfach nur zuhören, welche Anliegen die anderen Teilnehmer haben. Das Thema gestern: Wie schafft man es, das Rauchen aufzugeben?
Gleich zu Beginn meldete sich ein älterer Herr. Er sei jetzt 71, habe 55 Jahre sehr stark geraucht und seit einem Jahr sei er vom Glimmstängel los, auf dringendes Anraten seines Hausarztes und dank eines Ersatzmedikaments. Nein, er wolle auch gar keine Frage stellen, aber er fühle sich toll, seit er nicht mehr rauche und wolle einfach nur allen anderen Mut machen. Es lohne sich! Körperlich sowieso – aber auch finanziell. Man spare ja eine ganze Menge Geld. Und dann, ja dann könne man auch ganz locker mit der Mutti öfter essen gehen.
Ein Highlight.
Dell gibt sich ja neuerdings sehr ambitioniert in Sachen Flexibilität und Design, weswegen man sich auf der Website einen eigenen Rechner quasi maßschneidern lassen kann. Allein für den Deckel des guten Stücks stehen verschiedene Farben und Motive von retro bis neo zur Auswahl. Und damit man auf gar keinen Fall verpasst, wie toll das Teilchen ist, das man sich da gerade zusammenkonfiguriert, steht das in einer Seitenbox auch noch mal deutlich drin:
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(Aber gell, Dell, Du sparst bei diesen Preisen doch sicher an der Gewinnmarge und nicht etwa an den Textern. Oder?)
Falls Ihr Euch übrigens fragt, was aus diesem mysteriösen Geburtstagsgeschenk geworden ist, das versehentlich vier Wochen zu früh geliefert wurde und das ich unter keinen Umständen vor dem Stichtag zu öffnen angewiesen worden bin: Ich habe tatsächlich durchgehalten, wenn auch manchmal nur mit Schokolade. Was also nun darin war? Ihr seht es bereits: Es war mein neues Headerbild, und zwar zum Anfassen im Posterformat fürs Wohnzimmer. In voll und ganz ist es übrigens noch schöner:
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Den Fotografen, Peter Jakobs, kann ich nur empfehlen! Er hat einen sehr gutes Gespür für Motive und setzt sie mit Leidenschaft um, wie Ihr in seiner Flickr-Galerie selbst sehen könnt. Außerdem ist er derjenige, der mich in der Rekordzeit von zwölf Minuten zum Kotzen gebracht hat, aber das liest er nicht so gerne. Danke, Peter, auch fürs Kotzen.
Das Warten hätte sich also voll gelohnt, eigentlich. Leider hat sich das Bild während der Wartezeit den vier Ecken seiner Hülle angepasst, was die Pracht etwas beeinträchtigt. Und was lernen wir daraus? Manchmal ist es eben doch klüger, sich sofort draufzustürzen, loszuleben, dem Augenblick zu folgen. Denkt dran.
In Bezug auf die Jahreszeiten bin ich pflegeleicht: Kurz vor Ende der einen freue ich mich zuverlässig mit maximal drei kleinen Wermutströpfchen auf die kommende. Und nun ist es der Herbst. Vorletzte Woche war ich zwar noch irritiert ob des Röckchenwetters, aber nachdem ich gerade in Wollpulli, Softshell-Jacke und Daunenweste zwiebelschichtdickeingemummelt vor einem Lagerfeuer saß, ist der Herbst jetzt offiziell angekommen. Mit ihm so wunderbare Dinge wie Herbstspaziergänge, Wollschals, Tee mit Honig, Maronen, Kürbisse, Zwiebelkuchen, Kaminfeuer und natürlich der Regen. Auf dem Dachfenster zum Einschlafen oder sonntags als perfekter Grund, sich stundenlang auf dem Sofa einzukuscheln, mit Musik, einem Buch, der Sonntagszeitung oder dem Mann. Oder allem zugleich.
Im Blog zieht passend zur Jahreszeit ein neues Bild ein. Das Zitat darunter stammt aus einem meiner liebsten Gedichte, nämlich aus Herbsttag von Rainer Maria Rilke. Und als seien sie für sich noch nicht schön genug, gibt Gottfried Johns Stimme den Zeilen eine wunderbare Eindringlichkeit, untermalt von herbstlich temperierten Klavierklängen. Aber das solltet Ihr Euch unbedingt mit eigenen Ohren anhören.
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Da muss man weit nach Feierabend noch mal raus, Termin ist schließlich Termin, und fährt los. Übermüdet, angeschlagen, unmotiviert. In dieses Nest mit diesem seltsamen Namen, woher es den wohl hat? Das Navi organisiert noch eine Besichtigung des Umlands, vielen Dank auch. Ankunft. Hmpf. Und dann findet man in diesem Wald- und Wiesenkaff einen total spannenden Menschen. Beginnt das Interview mit dem festen Vorsatz auf knackige vier Minuten, mehr braucht es im Grunde nicht, sofern das Richtige gesagt wird. Und dann verquatscht man sich völlig, vergisst das Mikrofon in der einen, den Fragenzettel in der anderen Hand und hat anschließend fast 20 Minuten auf dem Chip (was war das noch herrlich old school, damals, „auf Band“), die man am nächsten Tag radikal zusammenkürzen muss. Fährt zurück nach Hause, beschwingt, inspiriert, hellwach, strahlend.
Ich glaube, ich hab’s schon mal gesagt, aber man kann es nicht oft genug sagen: Ich liebe meinen Job. Und seit heute ist es offiziell: In Zukunft darf ich ihn noch viel öfter machen.
Meine Post ist mir so wichtig, dass ich es nur etwa alle zwei bis drei Tage zum Briefkasten schaffe, manchmal seltener. Wenn mir dann aber ein Brief oder eine Postkarte mit Deiner geschwungenen Handschrift entgegenfällt, fliegen Laptop, Handtasche, Sportzeug und das ganze restliche Geraffel direkt am Gartentor auf den Steinboden. Weil Worte von Dir immer etwas Besonderes sind und sofort gelesen werden wollen. Und weil sie immer besonders daherkommen, nämlich mit Füller, Briefmarke und viel Gespür für den Anlass. Mit „Halt die Ohren steif“-Hasen für ein Lächeln in beschissenen Zeiten oder der erfolgsverwöhnten Barbie, weil Du Dich mit mir so sehr über den neuen Job freust als sei es Deiner.
Das bist eben Du. Die tollste Freundin, die man sich nur wünschen kann. Die alles Wesentliche und viel Unwesentliches von mir weiß, die mich manchmal besser kennt als ich mich selbst, die immer die richtigen Worte findet und mir in vielen Dingen ein Maßstab ist. Ohne Dich wär’s nur die halbe Freude, das halbe Lächeln. Das halbe Leben. Höchstens. Ich danke Dir aus allertiefstem Herzen.
Da haben wir doch heute gleich zwei tolle Mädels, die ihren Geburtstag feiern: Die Frau Elise nämlich und dazu Madame Tauschlade.
Euch beiden von Herzen viel Glück fürs neue Lebensjahr, rundum liebe Menschen, Gesundheit (die mit zunehmendem Alter, stelle ich jammervoll fest, einen immer höheren Stellenwert einnimmt), coole Jobs, lustige Ideen und immer ein bisschen Sonne – außer vielleicht nachts. Lasst es Euch gutgehen und habt Spaß! Lohnt sich. Aber wem sag ich das.
Schlecht geschlafen, mit Kopfschmerzen aufgewacht, Telefon und Internet kaputt – kaum wird man 33, geht’s auch schon bergab. Allerdings nicht lange, denn mein Geburtstag war gestern wie sonst auch ein erhebendes Erlebnis mit hohem Lächelfaktor.
Ein paar Rituale gehörten wie jedes Jahr unabdingbar dazu. Mein Vater zum Beispiel macht meist mehr Bohei um die Verpackung als um das Geschenk selbst. Zum 30. durfte ich mir für mein neues Auto ein zusätzliches Ausstattungsdetail aussuchen. Die Verpackung: Eine armlange, grasgrün papierumwickelte Mailänder Salami mit vier Rädern dran (es folgten zahlreiche Frühstücks- und Brotzeiteinladungen im Hause K, bis das Teil endlich weg war). Gestern schenkte er mir ein sehr besonderes Glas. Die Verpackung mit Glashalter:
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Jawohl, inklusive Seife, Rubbeltuch, Schwamm, Kerze und dem Buch „Hexe Lilli und der Pirat in der Badewanne“. Ich habe übrigens nicht nach dem tieferen Sinn des Titels gefragt.
Ein anderes Ritual betrifft das Geschenkband. Die gesamte Familie freut sich zum Geburtstag und an Weihnachten kollektiv auf den Moment, wenn ich mich nach dem Auspacken an Haaren, Hals und Kleidern mit bunten Bändern und Schleifen dekoriere und den Rest des Tages herumlaufe wie Andere zu Fasching. Es gibt legendäre Bilderserien, die an dieser Stelle allerdings zensiert werden, stattdessen zeige ich Euch die erste Schleife des Tages (weitere folgten):
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Und damit kommen wir zum dritten, dem liebsten Ritual: Ursprünglich sollte ich am 03. Oktober auf die Welt kommen. Weil meine Mom es aber nicht unterlassen konnte, auf dem elterlichen Bauernhof kräftig die Zwetschgenbäume zu schütteln, kam ich etwas früher und habe meinem Onkel (der am gleichen Tag Geburtstag hat wie ich) die Show gestohlen. Ich glaube, es war ihm ganz recht, er hat’s nicht so mit der Feierei. Seit diesem Tag gibt es jedes Jahr, komme was wolle und gehe wer will, Zwetschgenkuchen zum Geburtstag. Mit Streuseln! Das freut die ganze Familie, aber mich am allermeisten.
In diesem Blogbeitrag hatte ich schon mal erläutert, dass ich das Radiodasein im Vergleich zum Fernsehen sehr praktisch finde, weil das Styling kürzer ausfällt und man optisch incognito bleiben kann. Eher versehentlich habe ich mich dennoch vor einigen Monaten breitschlagen lassen, professionell zugekleistert und gekleidet einen 30-sekündigen Teaser für ein Audioformat zu drehen – und zwar unter der Prämisse, dass er genau einmal gesendet wird. Entweder habe ich mich missverständlich ausgedrückt oder es interessierte die Sendeverantwortlichen nicht so richtig. Das Ende vom Lied war jedenfalls, dass dieses Ding fast jede Woche erneut eingesetzt wurde – sehr zu Begeisterung von Oma und ihren Freundinnen, Mama und ihren Kolleginnen, Papa und allen, die mit ihm zu tun haben sowie des halben Heimatorts. „Du, ich hab Dich neulich im Fernsehen gesehen!“ bewirkt kurzes Zusammenzucken, bei „Ich hab gehört, Du moderierst jetzt im Fernsehen!“ wird’s schlimmer. Eventuell wird sich das irgendwann geben – als wir uns zu Teenagerzeiten selbst auf Kassette aufgenommen haben, war das schließlich auch noch unerträglich anzuhören. Bis zur finalen Gewöhnung bleibe ich aber gerne „Die da, im Radio“.
In diesem Sinne: Die siebte und letzte Nummer der Radiowoche!
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Mir ist heute nachmittag bereits eingefallen, dass ich die Radiowoche gestern völlig vergessen habe. Manic Monday, sage ich nur, und zwar ganz ohne Radio – das gibt’s erst jetzt, kurz vor knapp, denn der Tuesday stellte sich als kein bisschen weniger manic heraus als der Monday. Und ich dachte, ich sei letzte Woche schon auf Hochtouren gelaufen, das war dagegen ja wohl ein Schäferstündchen auf einer Sommerwiese!
Also weiter geht’s, die No. 6 kommt mit Regina Spector, die – am Rande – den DJ besingt, der nächtens vor den Reglern einpennt und den Song versehentlich doppelt spielt. So einen DJ wünsche ich mir auch manchmal. Frisch entdeckte Lieblingslieder laufen bei mir stundenlang in Endlosschleife, und während andere in meiner Umgebung langsam aber sicher wahnsinnig werden, höre ich mich immer tiefer in die Komposition hinein oder versinke im Refrain oder lerne den Text, damit ich das Lied endlich mitsingen kann. Solange ich diese neuen Schätzchen aber noch nicht auf der Festplatte oder im CD-Player habe, lauere ich im Radio auf die ersten Takte und bin dann drei bis fünf Minuten nur noch Ohr und für nichts anderes mehr zu haben. Und wäre es dann nicht einfach ein Knaller, den DJ in den Tiefschlaf schicken zu können?
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Letzten Sonntag, strahlender Sonnenschein, große Pläne: Segelfliegen. Dieser junge und überaus charmante Mann hatte mich nach endlosen Erzählungen und Schwärmereien mit diesem Video endgültig geködert. Ich fuhr also in die Pampa zum Flugplatz und wurde mit strammsitzendem Fallschirm quasi sofort in einen der leichten Gleiter gepackt. Den Start mit rasanter Beschleunigung fand ich noch klasse, auf knapp 300 Meter klinkte das Seil aus und mein Pilot schraubte den Duo Discus mit Hilfe einer Thermik innerhalb weniger Minuten auf etwa 900 Meter Höhe. Das war schon weniger lustig, aber ich hielt mich wacker. Das Schlimmste kam erst noch: Geradeausfliegen. Nicht ganz ohne, wenn Augen und Gleichgewichtssinn völlig unterschiedlich Meldung im Gehirn machen. Um die Sache abzukürzen: Nach zwölf Minuten habe ich die Lufthansa-Spucktüte aus der Seitentasche gezogen und rückwärts gefrühstückt. Meinem Piloten habe ich damit leider die Bilanz versaut – bis zu jenem Morgen konnte er noch behaupten, in seinem Flieger hätte noch niemand Bröckchen von sich gegeben …
Und hier ist die ganze Misere in einem Bild: Meine Kotztüte, ich und die Ursache allen Übels.
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PS: To be continued. Pilot gibt noch nicht auf, die Ehre muss gerettet werden.
Kinderkriegen ist einfacher als ich es mir vorgestellt hatte. Heute war ich mit der rechten Herzenshälfte und seiner entzückenden Brut im Märchengarten des Blühenden Barocks in Ludwigsburg. Mein famoses Cousinchen war auch dabei, und als ich noch an der Kasse überlegte, wie ich diese komplizierte Konstellation nun in Eintrittskarten umwandle, sagte die Dame hinter der Scheibe: „Mama, Papa, zwei Kinder und wer noch?“
Das Herzblatt grinste, die Cousine feixte, die Kinder sahen mich an wie „Ja, worauf willste denn noch warten?“. Bis ich mich wieder zur Kasse drehte und sagte: „Äh, ja. Und noch ‘ne Schülerin.“
Diese Woche kam der kurzfristige Auftrag, einer Pressekonferenz in einem Vergnügungspark beizuwohnen und aus dem dort angekündigten Kürbis-Event einen hübschen Beitrag für den Nachmittag zu produzieren. Ohnehin schon eine knappe Nummer, aber kneifen geht ja schlecht. Halbe Stunde Fahrt in den Park, die PK begann mit Verspätung und dann haben die Veranstalter tatsächlich acht Leute ausführlichst und teilweise mehrfach zu Wort kommen lassen. Uns wurde über eine Stunde lang die gesamte Marketingstrategie der Aktion vorgekaut. Der Direktor tat, als hätte er was auf den Ohren und fragte bei seinen Mitarbeitern („Hab ich das jetzt richtig verstanden?“) mehrere Male einzelne, weltbewegende Details nach, damit die Journalistenmeute sie auch garantiert nicht verpasste. Die Bande auf dem Podium riss Witze. Wäre ich bei der Zeitung, hätte Sommerloch und würde für den nächsten Tag schreiben, hätte ich es eventuell amüsant gefunden. So aber saß ich wie auf heißen Kohlen und sah die Zeit verrinnen. Danach schnappte ich mir meine vier Interviewpartner, vergewaltigte sie in der Ecke zwischen Pferdekarrussell und Achterbahn, raste durch den Park zum Ausgang, kaufte auf dem Weg noch ein Eis als Frühstücksersatz, fluchte im Stau wie ein Rohrspatz, schnitt dann in Windeseile den Beitrag zusammen, galoppierte durch die Redaktion wie eine Gestörte, stieß mir den Fuß, sprach meinen Text ein, fügte alles zusammen, schrieb die Anmoderation und überspielte das fertige Stück eine Minute vor der Deadline. A propos dead: Irgendwann bringt mich das Radio um.
Und damit zur Radiowoche, Teil 5: Video killed the Radio Star von den Buggles. Ausgleichende Gerechtigkeit.
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Radio gilt als „Nebenbeimedium“, das man neben einer anderen Tätigkeit hört, und das stimmt natürlich. In meinem Fall beim Zähneputzen, Kontaktlinsen rein- und rausklamüsern, duschen, an- und abhübschen, beim Abwaschen, Kochen, beim Autofahren und und und. Aber es gibt auch zahlreiche Momente, in denen das Radio zur Hauptsache wird. Gut gemachte, lebendige und informative Beiträge sind das eine. Das andere ist die Musik. Stücke, denen man sich mit ungeteilter Aufmerksamkeit hingeben sollte – der Melodie, den einzelnen Instrumenten, dem Rhythmus, der Stimme, den Zwischentönen oder dem Text. Am besten allem. Ein Lied kann die eigene Stimmung auf wunderbare Weise verstärken, es fügt Aspekte hinzu, macht glücklich, beflügelt, tröstet und lässt Tränen fließen. Schon sehr bemerkenswert.
Radiowoche, Tag 4: Fury in the Slaughterhouse mit „Radio Orchid“, ein Lied von einer alten Dame, die sich aus Trauer um ihren Mann einen eigenen Radiosender kauft. Wer’s genau wissen will, liest die Lyrics mit.
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Der Kollege nahm mich gestern beiseite und beglückwünschte mich zu meinen gelungenen Radiobeiträgen, ich hätte da echt ein Händchen für. Zehn Minuten später hatte er das letzte Werk offenbar noch mal etwas genauer unter die Lupe das Hörgerät genommen. Er hätte da noch ein paar harte Schnitte zwischen den O-Tönen und meinen gesprochenen Passagen entdeckt: „Du kommst zu schnell. Wenn Du da noch ‘n bisschen rumfummelst, etwa so [beispielhaftes Gefummel], dann kommst Du immer noch schnell, aber längst nicht mehr so hart.“ Das unterdrückte Prusten rundherum hat er entweder gekonnt ignoriert oder einfach überhört.
Und damit zu No. 3 der Radiowoche: Die Corrs sollte man nämlich auf gar keinen Fall überhören, sie sind festes Repertoire in iTunes und immer wieder willkommene Gäste im Ohr.
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