Sehr super.

Veröffentlicht: 6. April 2007 in Geschichten aus dem Supermarkt

Jetzt ist es ja erfolgreich gefallen, das Ladenschlussgesetz. Nicht, dass ich erwartet hätte, schnell was davon zu merken, aber doch: Vor wenigen Tagen hat die Fleischereifachverkäuferin im Supermarkt meines Vertrauens um 18:41 demonstrativ gestöhnt, als ich sie an ihrer Theke belästigt habe. Kommentar: Seufz, ach, sie komme gar nicht zum Abendessen bei so viel Betrieb (ich war weit und breit die Einzige). Schließlich müsse sie ja bis 22 Uhr durchhalten. Sie hat dann auch schnell hinterhergeschoben, dass es ja nur versuchsweise sei und wenn es nicht angenommen würde (hoffnungsvoller Blick), würde man es auch wieder ändern.

Mein guter alter Freund TT würde im besten Badner Dialekt sagen: „Do krieg isch Plaque.“ Ich krieg zusätzlich auch noch ein schlechtes Gewissen, weil ich die Dame vom Abendessen abhalte – dabei mag ich sie gar nicht, sie hat sich schon mehrfach als Servicebremse des Ladens erweisen. Es ist ja auch nicht so, dass sie länger arbeiten müsste, stattdessen werden im Supermarkt (ich habe professionell investigativiert) die Schichten gegeneinander verschoben. Länger als acht Stunden inklusive Pause muss keine ran, nur ein bisschen flexibler muss frau werden.

Ihre ungleich sympathischere Kollegin dagegen, die lustigerweise mit mir immer in der dritten Person redet („Will sie noch ein bisschen Salami oder hat sie schon alles?“), hat gestern einen unerwarteten Kontrapunkt gesetzt: Gefragt, was sie davon hält, dass sie jetzt bis 22 Uhr arbeiten muss, antwortete sie, das fände sie super. Denn wenn sie dann heimkomme, seien alle schon müde und halb vor der Glotze eingeschlafen, „dann will schon keiner mehr was von mir“.

Hehe. So kann man’s natürlich auch sehen. Aber ob man die längeren Öffnungszeiten jetzt gut oder schlecht, sinnvoll oder überflüssig findet (die Diskussion gab’s auch damals, als plötzlich bis 20 Uhr erlaubt war – jetzt würden wir es doch nicht mehr missen wollen), also egal, wie man darüber denkt: Schön, dass es immer mal wieder zwischendurch ein paar Supermarktmitarbeiter und -innen gibt, die’s positiv sehen. Da macht Einkaufen gleich mehr Spaß. Für Servicejunkies wie mich ein unschlagbarer Pluspunkt in Sachen Kundenbindung, da kommt’s auf 20 oder 22 Uhr echt nicht an. Wenn ich nach 20 Uhr Schokolade brauche, gibt’s die auch an der Tanke. Wenn mich die 30 Cent extra davon abhalten, umso besser.

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Kommentare
  1. […] 06Apr07 Und wo ich schon dabei bin, über die Fleischereifachverkäuferin in meinem Supermarkt herzuziehen, gleich noch eine andere Geschichte, so geschehen vor wenigen Wochen. Die vielseitig begabte Dame […]

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