Nie wieder Berlin.

Veröffentlicht: 5. Oktober 2008 in Die Liebe im Besonderen
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So ganz weg bist du nicht. Als ich gestern Anke Gröners kleine Hymne an Berlin gelesen habe, konnte ich dich hören. Auch du streust immer wieder ein bisschen Berliner Schnauze in deine Worte, und darin liegt dann deine ganze Liebe und Begeisterung zu dieser, deiner Stadt.

Damit war die sorgsam gehütete Schublade offen, mit unerwartet lebendigen Erinnerungen an unsere kürzlich verjährte Geschichte. Unsere ersten paar Juli-Tage in Berlin, als ich Anna besuchen wollte und stattdessen bei dir blieb. Die Zeit, in der wir danach unsere Gefühle sortierten, weil wir eigentlich keine Fernbeziehung wollten. Ich hab schon damals das Leuchten nicht mehr aus den Augen gekriegt. Und dann, zwei elend lange Wochen später, lautete die Frage nicht, ob wir uns wiedersehen, sondern wann der nächste Flieger von Berlin nach Stuttgart geht. Diese filmreife Kussszene am Ankunftsterminal! Vier unfassbar glückliche Tage lang hast du dich in mein Leben gestürzt, weil du alles, alles, alles von mir wissen wolltest. Du hast meine Schwester in zwei Minuten erobert. Meine Freunde begeistert. Bist mir staunend in meine Welt gefolgt, und als ich dich am frühen Montagmorgen wieder gehen ließ, war es kein Abschied, sondern vielmehr ein Hab-einen-tollen-Tag-bin-gleich-zurück. Wir hatten die nächsten Monate in Gedanken bereits miteinander verplant: Ich als freie Schreiberin wochenweise in Berlin, du für lange Wochenenden in Stuttgart.

Und dann kam Móni dazwischen, deine Ex, die alle Register zog, als sie von mir erfuhr. Erfolgreich. Amor interruptus zu einem Zeitpunkt, als ich dir himmelhochjauchzend Tür und Tor bis über beide Ohren geöffnet hatte. Mir fiel das Lächeln aus dem Gesicht. In den Wochen danach habe ich mich jeden einzelnen Abend verabredet, um nicht zuhause sein zu müssen. Fing an zu joggen, um erschöpfter zu sein und besser einzuschlafen. Unsere Hollywood-Szene am Flughafen fand ihr Pendant, als ich meine Mom nach ihrem Urlaub dort abholte. Der verdammte Flieger hatte eine Dreiviertelstunde Verspätung. 45 Minuten, die ich verzweifelt auf genau dem Fleck stand, wo wir uns wenige Wochen zuvor zur Begrüßung minutenlang geküsst hatten. Musik im Ohr, die Welt ausgeblendet, tränenüberströmt.

März war es, als ich die Erinnerungen an dich endlich in eine Schublade gepackt hatte. Hin und wieder geht sie auf, selten zwar und nie für lange. Aber sie trifft immer noch auf ein kleines, schwaches Echo – nicht deines, sondern das des Schmerzes. Dann spannt mein Herz für einen kurzen Moment alle Fasern an, damit es den Schlag besser auffangen kann. Und wegstecken, zurück in die Schublade.

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Kommentare
  1. Grünste sagt:

    …Deine Worte haben mein Herz berührt, liebe Miss K., sie haben Gänsehaut verursacht und eine leise Erinnerung an eben genau diesen Schmerz, den auch Du empfunden hast, wach gerufen. Wer kennt es nicht, dieses bittersüße Ziehen im Bauch? Die Hilflosigkeit, wenn das Herz über den Verstand siegt und die Gefühle den Atem lähmen? Aber wir atmen weiter. Fühl Dich gedrückt, die Grünste

  2. goodytales sagt:

    Hast Du je wieder mit ihm gesprochen? Von ihm gehört?

  3. miss k. sagt:

    Ja. Ich bin Weihnachten (also knapp vier Monate nach der Trennung) nach Berlin geflogen, um ihn noch mal zu sehen und damit vielleicht das Gespenst zu vertreiben. Es war ein wundervoller Abend mit ihm – und zum Schluss erzählte er mir von seiner neuen Freundin. Nicht die Ex, übrigens. Sie hatte zwar erfolgreich interveniert, aber ihn damit nicht zurückgewonnen. Danach bin ich zwei Tage lang wie ferngesteuert durch die Stadt geirrt und war extrem dankbar, als ich endlich wieder in den Flieger steigen konnte.

  4. goodytales sagt:

    Das klingt ziemlich… schräg, sag ich mal vorsichtig.
    Und noch vorsichtiger füge ich hinzu: ich denke nicht, dass er Dich verdient hätte.

  5. miss k. sagt:

    Hmm. Ja. Vermutlich. Ich kenne ihn immerhin so gut, dass ich sagen kann: Es geschah nicht aus böser Absicht, sondern aus Gedankenlosigkeit, Naivität und schierer emotionaler Überforderung. Was die Sache nicht besser macht, I know.

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