Romeo74 bittet zum Date.

Veröffentlicht: 29. Oktober 2008 in Die Liebe im Besonderen
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Mal eine andere Werbung für Online-Partnervermittlung: „Liebe zu finden ist eine lange Reise. Zumindest, wenn man sie dem Zufall überlässt“ prangt mir in weißen Lettern auf rotem Grund entgegen, ansprechend gesetzt und zum ersten Mal ohne das sonst übliche Bild eines glücklichen Pärchens. Mir als Textfee läuft das natürlich voll rein, ist schön geschrieben und optisch gut umgesetzt. Bin aber leider schon vergeben. An eine andere Partnervermittlung.

Ein Versehen, quasi. Alexander drohte nach meiner letzten Begegnung der dritten Art telefonisch, er würde nie wieder auflegen, wenn ich mich nicht sofort anmelde. Ich also brav ausgefüllt, mir einen Ego-Text abgerungen und ein hübsches Bildchen hochgestellt. Die ersten Sympathieklicks ließen nicht lange auf sich warten und Nachrichten kamen auch. Ein Frueh-Pensionist (41) präsentiert sich im weißen Dinnerjacket vor eindrucksvoller Kulisse und bewirbt weniger sich als sein Domizil neben uralten Lindenbäumen, die einen sinnlichen Duft verströmen, und dazu seinen Garten, zu dem er Touristen manchmal Zutritt gewährt, der Aussicht wegen. Seeler (43, Vorname Uwe, ist aber ein anderer) kennt mich nicht aber tut, als sei ich ein Geschenk des Himmels, und Viktor Lazlo ist auch da. Romeo74 („Der Name zieht bei den Frauen“) geht in die Vollen und kann keine Minute länger mehr warten, mich kennenzulernen – bevor er sich beim Date als Schlafmütze sondergleichen entpuppt. Und Joshua-Noah heißt eigentlich Guido.

Ich habe mir echt Mühe gegeben, aber tut mir leid, ich finde das anstrengend. Sehr. Dieses standardmäßige gegenseitige Abchecken auf Potenzial, die immer gleichen Fragen und das Gefühl, jedesmal von vorne anfangen zu müssen. Außerdem hat dieses Dating auf Kommando einen systemimmanenten Fehler: Ich bin ja gerne exklusiv. Umwirb mich, wirf Dich mir zu Füßen – aber bitte nur mir, denn Du sollst keine anderen Göttinnen neben mir haben. Und hier ist echt alles der Fall, nur das nicht. Ich glaube, ich lasse es dann doch lieber auf den Zufall ankommen und genieße die Reise in vollen Zügen. Freu mich aufs Ziel, aber der Weg dorhtin muss deswegen noch lange nicht langweilig, unaufregend oder gar weniger lebenswert sein.

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