Ganz mieser Stil.

Veröffentlicht: 31. Oktober 2008 in Job

Es ist nicht zu fassen. Als ich vor knapp drei Jahren als Freelancer in diese junge, aufstrebende IT-Firma kam, gab es in meinem Bereich ein hoch motiviertes Team, das selbst in harten Phasen das Lächeln nicht verlor, weil der Job nämlich selbst dann Spaß machte und die erstklassige Atmosphäre über den Freizeitverlust hinwegtröstete. Ich persönlich habe mich auf meinen wöchentlichen Ausflug dorthin immer gefreut.

Inzwischen sitzt dort ein frustrierter Haufen, der alle zwei Wochen neue Weisungen bekommt. Die ursprüngliche Bereichsleiterin ist weg, der nächste gegangen, der letzte dann gegangen worden. Offiziell hat das bis heute übrigens niemand gesagt. Dass sein Urlaub aber immer länger wurde, war verdächtig, ein entsprechender Eintrag in seinem Xing-Profil brachte dann die Gewissheit. Das an die Abteilung zu kommunizieren, hielt wohl niemand für notwendig. Jetzt leitet der CEO die Abteilung direkt. Nicht, dass er dafür Zeit fände. Die Jours fixes fallen regelmäßiger aus als dass sie stattfinden, er trifft Entscheidungen despotisch im Alleingang, Einwände sinnlos. Getroffene Absprachen können jederzeit rückgängig gemacht werden. Pressemitteilungen verkamen auf seine Weisung hin zuletzt zu Werbepamphleten ohne relevante Aussage. Interner Codename: Der liebe Gott. Sein Gründungspartner hat das Unternehmen übrigens bereits verlassen.

Heute dann kam der vorläufige Höhepunkt dieser Farce: Dreißig Mitarbeiter wurden gekündigt, darunter fast die gesamte Qualitätssicherung. Die Betroffenen durften dankenswerterweise sofort gehen, um sich möglichst schnell den nun fälligen Bewerbungsschreiben zuzuwenden. Wie man hört, ist das auch nötig, denn die Abfindung soll nicht gerade üppig sein. Drei Leute aus dem Marketing sollen in den Vertrieb wechseln, und dazu eine von zwei Presseladies (die andere hat ohnehin schon gekündigt). Die PR-Abteilung wird aufgelöst, die ist nämlich überflüssig. Der CEO wird in Zukunft direkt mit der externen PR-Agentur sprechen – der wünsche ich dann jetzt schon mal viel Vergnügen.

Tragisch. Traurig. Und reiner Hohn, wenn man bedenkt, dass erst vor wenigen Wochen neue Investoren mit mehreren Millionen Euro in das Unternehmen eingestiegen sind, auf dass es möglichst bald zu einem globalen Key Player werde.

Ich würde mal sagen, meine Tage dort sind gezählt.

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