Süßer die Glocken.

Veröffentlicht: 1. März 2009 in Family & Friends
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Ich hab den Kerl seltenst nervös erlebt, aber mit der Nummer kriege ich ihn. Wir stehen vor der Stiftskirche. Er tritt von einem Bein aufs andere und fällt dem grinsenden Glockenbeauftragten zur Begrüßung fast um den Hals. Endlich geht es die engen Stiegen in den Südturm hinauf, den sonst kein Besucher von innen zu sehen bekommt. Gleich erfüllt sich hier ein Kindheitstraum.

Der kleine Abstellraum auf halber Höhe wäre denkbar unspektakulär, wenn nicht in der Ecke ein Seil vielversprechend durch die Holzdecke hinge. Eine Etage höher baumelt die zwei Tonnen schwere Torglocke, die einzige im ganzen Geläut, die sich nicht elektrisch läuten lässt. Bis zum minutiös geplanten Start haben wir noch ein bisschen Zeit für einen kleinen Lehrgang: Ordentlich reinhängen und mit aller Kraft das Seil von weit oben bis zum Boden ziehen. Dann schnell lockerlassen, damit man nicht mit nach oben fliegt.

Also los. Nach dreimal Ziehen kommt der erste dicke Rumms, die ersten Schweißtropfen folgen nur Sekunden später. Der Kerl gibt alles, auf und nieder, immer wieder, während ich fröhlich im Glockenturm herumturne, die Glocke aus nächster Nähe bewundere und mich dazwischen am Anblick schwerer körperlicher Arbeit ergötze. Ich glaube, so geschwitzt hat er noch nicht mal bei einem meiner sechs Umzüge oder beim Halbmarathon in Heidelberg. Acht Minuten hält er mannhaft durch, angefeuert durch den Glockenbeauftragten. Dann bremsen die beiden mit vereinten (und letzten) Kräften und der Kerl sinkt mit weichen Knien auf einen Stapel aufgerollter Kabel. Strahlen übers ganze Gesicht geht aber noch. Großartig.

Torglocke

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Kommentare
  1. Na, der hat seinen Traum aber gelebt!
    Und morgen – dank Muskelkater – sicherlich auch noch etwas davon!

  2. miss k. sagt:

    Es war so herrlich, das mitanzuschauen! Kerl war fertig wie’s Brötchen, aber hat den ganzen Rest des Tages gestrahlt wie ein Weihnachtsbaum. 🙂 Muskelkater hat er aber angeblich keinen!

  3. Es wurden hoffentlich Fotos gemacht. Nee, nicht für die sensationsgeile Bloggergemeinde – für sein Erinnerungsalbum!

    Muskelkater hat der erstmal nicht wegen der Glückshormone – er hat ja schließlich einen Lebenstraum realisiert -, aber wenn der dann kommt, war es das wert: Der schönste Muskelkater seines Lebens!

  4. Frau Elise sagt:

    Gottogott, ich will nicht wissen, was das für eine Anstrengung gewesen sein muss. Aber neiiiiiiin, es gab natürlich üüüüüüüüberhaupt gaaaaar keinen Muskelkater… 🙂

  5. miss k. sagt:

    Ü-ber-haupt nicht! I wo!
    😛

  6. Schnuck! sagt:

    Hallo miteinander,

    es ist toll, dass so viele Menschen an meinem Geläut teilnehmen. Nur muss ich euch alle enttäuschen. Ich hatte tatsächlich keinen Muskelkater! Ich war zwar fertig für zehn, aber das lag beweisbar an meiner gesamten gesundheitlichen Verfassung.

    Aber es war ein Erlebnis. Jedes Jahr zu Weihnachten sieht man Fernandel als Don Camillo die große Glocke läuten – und da will man so gerne auch mal. Und ich durfte.

    Und ich strahle heute noch…..

    Danke M.

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