30 Tage, 30 Tassen: Bild 26.

Veröffentlicht: 26. April 2009 in Aufgelesen
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Also, der Garten. Er breitet sich hinter dem Haus aus als gäb’s den Platz umsonst, mit knorrigen alten Bäumen, einem zugegeben optisch weniger berauschenden Gartenteich (der aber hübsch plätschern kann) und fröhlichen Blümchen. Mein Vermieter, muss ich dazusagen, ist so gut wie nie anwesend und ein unglaublich vorsichtiger Mensch. Deswegen habe ich ein gutes halbes Jahr lang gewartet, bevor ich schriftlich anfragte, ob ich vielleicht gelegentlich in den Garten gehen könne. Die Antwort lautete: Ja. Allerdings nur, wenn ich keine Blumen zerstöre. Und nur, wenn der Hausdrache, seine Sekretärin mit dem defekten Lächeln, den Garten gerade nicht nutzt. Und natürlich nur alleine.

Was glaubt der? Dass ich da mit einer ganzen Partymeute einfalle und Blumen rausrupfe? Aus purem Trotz war der Wunsch nach Garten dann erstmal erledigt, zumal es die Selbstständigkeit auch immer mit sich bringt, dass sich an tollen, sonnigen Tagen die Arbeit stapelt – keine Chance fürs Sonnenbad. Gestern aber ging ich dann auf der Suche nach einem hübschen Tassenmotiv hinters Haus und lief prompt dem Gärtner in die Arme, Francesco. Jedesmal, wenn er mich von Ferne sieht, winkt er wie ein Ertrinkender. Dass dem nicht so ist, entnehme ich nur dem strahlenden Lächeln, das sich übers ganze Gesicht spannt. Und wenn man sich dann auf ein Gespräch einlässt, ist es meist nicht so einfach, wieder rauszukommen.

Gestern bestand er darauf, mir eine persönliche Gartenführung zu geben. Er zeigte mir Kartoffeln, Zucchini, Rosmarin – und das lauschigste Plätzchen, das ich seit langem gesehen habe. Hinter einer Hecke versteckt, so dass ich es von meinem Wohnzimmer aus nicht sehen konnte, mit einem herrlich verwitterten Tisch, einer Bank und dicht umrankten Bäumen.

Alles Glück kommt doch!

Alles Glück kommt doch! Und ich freu mich auf den Sommer. Sehr.

(Madame O., das ist natürlich gleichzeitig die Leseempfehlung für Ihren Urlaub. Ich werde an Sie denken, wenn ich in meiner Laube lesend dem Leben lausche.)

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Kommentare
  1. Wunderbar 🙂 Ich fürchte: Ich muss in diesem Jahr mit zwei Koffern reisen – oder zumindest fünf Wochen Ferien dranhängen – ich habe soooo viele tolle Bücher empfohlen bekommen, dass es anders gar nicht geht.

    Wohnst Du eigentlich in einem Schloss? Gärtner, Hausdrache….?

    Liebe Grüsse und einen feinen Sonntag Dir!

  2. miss k. sagt:

    😀 Nein, kein Schloss, aber ein durchaus ehrwürdiges kleines Anwesen im Vergleich zu den hässlichen Wohnblocks auf der anderen Straßenseite. Der Hausdrache ist die Assistentin, die tagsüber im angeschlossenen Heimbüro des Vermieters wütet waltet. Purer Luxus ist allerdings, dass der werte Herr seltenst anwesend ist und ich die halbe Nacht lang ungestört Musik hören kann, wenn ich will – für mich von unschätzbarem Wert.

  3. apropos sagt:

    danke für den tipp
    und viel glückliche stunden im paradies wünsche ich dir
    gruss, Rinaa

  4. maaria sagt:

    Oh, was für ein tolle Stimmung auf dem Bild! Anna Gavalda schreibt toll… wünschte, ich könnte sie in O-Ton lesen, aber leider nein…

  5. miss k. sagt:

    Liebe maaria, ich auch nicht. Dafür taugt mein Französisch nur begrenzt. Aber ist doch schön, dass Anna Gavalda einen so fähigen Übersetzer oder Übersetzerin gefunden hat. Wobei ich mich gerade fragen muss, ob die eigentliche wortgewaltige Kunst nicht dort entstanden ist? Hmm. 😉

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