Wochenende bei Oma und Opa.

Veröffentlicht: 16. Mai 2009 in Family & Friends
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Manche Routinen sitzen tiefer als andere. Deswegen sieht Opa gelegentlich nicht ein, warum er unbedingt duschen muss, aber das Mittagessen – und da gibt es kein Pardon – hat um Punkt „halber Zwölfe“ auf dem Tisch zu stehen. Als ich heute kurz nach Zwölf zum Wochenenddienst auf dem Bauernhof meiner Kindheit eintrudle, gräbt er gerade zufrieden den Löffel in den Nachtisch. Guckt interessiert zu, wie ich das Geschirr wegräume, spüle, Ananas schneide und den Kühlschrank von Dingen befreie, die spätestens nächste Woche auch alleine rauslaufen könnten. Und dann grinst er sein immer noch hinreißendes Lächeln mit den paar übriggeblieben Zähnen und sagt: „Des isch immer schee, wenn ebber kommt und schafft.“

Oma hat derweil Angst, ich könne verhungern (ich!), weil ich ja so „spindeldürr“ geworden sei, und bietet mir nacheinander Windbeutel, selbst gebackenes Brot, Obstsalat und die restlichen Maultaschen vom Mittagessen an. Der Einwand, dass es bei mir später noch Fisch gibt, zählt natürlich nicht: „Dann gibt’s die Mauldascha halt als Vorspeis!“ Ausdiskutieren muss ich sowas nie, denn Oma setzt das Hörgerät grundsätzlich erst nachmittags ein. Vorher führen wir die absurdesten Gespräche, die man sich nur vorstellen kann („Oma, ich bring die Knochen schnell raus zum Hund.“ – „Was hasch gsagt, bei Dir lauft’s gut? Dann isch recht. Du, die Knocha g’höret net in de Müll, die kriegt der Hund.“)

Da schnappe ich mir doch lieber den Besen und kehre die Küche aus. Damit ich besser unter den Tisch komme, stemmt sich Oma hilfsbereit aus ihrem Sessel, kurvt dann aber mit ihrem Salatporsche einmal durch mein bereits zusammengekehrtes Häuflein und verteilt es wieder gleichmäßig über den Boden. Erneuter Auftritt Opa, immer noch grinsend: „Lass doch glei liega, morga isch’s eh wieder dreckig.“

Man muss sie einfach gernhaben.

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Kommentare
  1. wassily sagt:

    Ach ja, wie goldig, wie herzig, wie liebenswert… einfach daheim.

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