Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.

Veröffentlicht: 17. Mai 2009 in Das Leben im Allgemeinen, Family & Friends
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An meine erste Dorade erinnere ich mich noch sehr genau: Als Lehrling für einen Tag bei Andreas Müller im Adler am Schloss, Bönnigheim. Die Tischnachbarin hatte eingeladen, ihren Geburtstag dort beim Kochkurs zu feiern. Und so standen das Springerle und ich messerbewaffnet vor dem glotzenden Tier und sollten es nach einmaligem Zeigen zerlegen. Ich mach’s kurz: Ich hab das Ding total versäbelt und wir legten es peinlich berührt in einem unbeobachteten Moment zu den anderen Filets. Als der Koch kurze Zeit später die Gruppe zur nächsten Etappe versammelte und gerade ansetzte, fiel sein Blick auf das kümmerliche, geschundene Teil. Er brach mitten im Satz ab, hob es kopfschüttelnd in die Höhe, blickte fragend in die Runde. In diesem Moment bekam das Springerle einen Lachflash und war deswegen fortan als offizielle Täterin verschrieen. Sie konnte nicht rechtzeitig wieder aufhören, um die Sache klarzustellen (und ich tat einen Teufel). Faktisch muss ich sie bis heute nur breit angrinsen und „Dorade“ sagen – das Springerle lacht sich zuverlässig einen Ast.

Die zweite Dorade war heute fällig (und diesmal stammte das Getier tatsächlich von Edeka). Zur Sicherheit habe ich mein Wissen im Internet noch mal aufgefrischt. Los ging’s. Dori starrte böse vor sich hin. Mein Messer ist zwar ein gutes, aber eben kein supergeschärftes Profigerät, entsprechend war der Fisch schon halb massakriert, bevor ich die Haut durchbohrt hatte. Die Finger waren auch ständig in Gefahr. Ordentlich geflucht, Nase gerümpft, weltmeisterlich gesäbelt, die letzten Gräten mit der Telefonzange rausgerupft, gewaschen und getan, als müsste ein Doradenfilet genauso aussehen und nicht anders. Madame, es ist hingerichtet. Guten Appetit.

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Kommentare
  1. Sascha sagt:

    Da letztlich nicht viel auf dem Teller blieb, scheint es ja immerhin geschmeckt zu haben. Oder war es der reine Groll, das Tier nach all der Mühe nun auch endlich vollständig verschwinden zu lassen? 😀

  2. miss k. sagt:

    Man nennt es: Den Sieg voll und ganz auskosten. 😉

  3. zero_-_-cool sagt:

    Oder die perfekte Art jemanden/etwas verschwinden zu lassen.^^
    Der sollte wohl von niemandem mehr gefunden werden 😉

  4. Tanya sagt:

    *gnihi* bei uns gab es am Wochenende auch Dorade … allerdings haben wir nach recht kurzem Kampf beschlossen, ihre Bäuche lieber mit Knoblauch und diversen Kräutern zu füllen und sie ganz und gar, mit dem Kopfe in die Röhre zu schieben … war auch lecker

    Tanya, ihre erste Dorade erst gar zerlegt habend

  5. miss k. sagt:

    Aber Tanya, die guckt Dich dann ja noch an, wenn sie aus dem Ofen kommt? Ich bin immer etwas zurückhaltend, wenn ich das Tier auf dem Teller noch als Ganzes erkennen kann… 😉

  6. maaria sagt:

    Wie gut kenne ich das… Mir ging es so vor Weihnachten, als ich meinen ersten norwegischen Lachs in XXL Größe filetieren wollte. Ih hatte zum Teil das Gefühlt, der lebt noch und kämpft dagegen 😉 Aber lecker war’s.

  7. zimtapfel sagt:

    Hehe, Hauptsache, es hat geschmeckt!
    Aber ich tendiere auch eher zu der Kräuter in den Bauch stopf und im ganzen brat-Variante. Das angeglotztwerden stört mich nicht so sehr, ich bin ja diejenige, die Messer und Gabel in der Hand hält. 😀

  8. Cowboy sagt:

    Bin sehr beeindruckt von der Telefonzange. Darf man in der Ganz-brat-Variante dem Fisch auch den Bauch mit Kabelbindern versiegeln? Egal wo ihr diese Kunststücke gelernt habt, ich geh mal davon aus, daß ihr sie dem Koch verschwiegen habt. Der hätte das sicher nicht annähernd so lustig gefunden wie das flash-lachende Springerle und ihre noch flüchtige Komplizin miss K.

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