Ein Sonntag mit der Familie.

Veröffentlicht: 5. Juli 2009 in Das Leben im Allgemeinen, Family & Friends
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Eigentlich hätte ich ja schon einiges zu erzählen, ich komme nur nicht dazu. Diesen Klassiker will ich Euch aber nicht vorenthalten: die Familienfeier zum 70. Geburtstag.

Wie das halt so ist, wird man sonntags zum Mittagessen in die Pampa geladen, und das Mittagessen beginnt traditionell um 11 Uhr mit Antrittspflicht. Man sollte dabei auch noch halbwegs ordentlich aussehen. Diese Umstände erfordern, dass man sich um 8 Uhr aus dem Bett quält und unter der Dusche wachregnen lässt. Für mehr als einen kurzen Espresso bleibt eh keine Zeit. Sodann lässt man sich von weiteren Familienmitgliedern in oben erwähnte Pampa kutschieren und ist kurz vor dem Ziel derart unterzuckert und außerdem dehydriert, dass man besser aus dem Fenster blickt und den Mund hält, bevor da was Falsches rausrutscht. Ankunft, Auftritt Restfamilie. Handshake, Weißt-Du-nochs, Bist-Du-schon-wieder-gewachsens und Was-machst-Du-denn-sos. Ach ja.

Die sirupgetränke Hibiskusblüte im Sektglas hebt den Blutzuckerspiegel wieder auf ein erträgliches Niveau, Glas zwei und drei allerdings verursachen ein ganz anders gelagertes Problem. Zum Glück wird irgendwann Brot serviert, die schwäbische Form des Amuse Geule. Ein knappes Pfund davon stellt das Gleichgewicht halbwegs wieder her. Man kommt dann mal dazu, sich den zugedachten Tischherrn anzuschauen. Er trägt ein weißes Hemd mit sandfarbener Weste und passender Krawatte.  Dann steht er auf und enthüllt ein kurzes, immerhin farblich passendes Höschen, weiter unten braune Budapester und darin schwarze Socken, fein säuberlich hochgezogen bis kurz unter die Wade.

Da widmet man sich doch lieber dem Gartenkräutercremesüppchen und hat anschließend einen erstklassigen Grund, die Örtlichkeiten aufzusuchen, um sich besagte Kräuter zwischen den Zähnen herauszuzupfen. Wieder zurück würde der inzwischen bereitstehende Lachsteller das  Menü wunderbar abrunden, folgten nicht noch die übliche Filet-Variation mit Gemüse, Kardoffelgradeng und selbstverfreilich handgemachten Spätzle. Mit Soß. Spätestens jetzt tauschen auch die ersten Gäste ihre Plätze. Die frisch angespülte 78-Jährige erzählt in 80 Dezibel, dass man 30 Jahre zuvor, als Zweijährige, im Rahmen eines Umzugs eine vollständig abgewickelte Rolle Klopapier in der Toilette gewaschen hat, strahlend und stolz und beide Arme bis zu den Schultern in der Schüssel.

Man flüchtet zum Nachtischbüffet und bestellt weitere schwimmende Hibiskusblüten, um den Pegel wieder anzuheben. So verfliegt der Nachmittag. Und später auf der Rückfahrt wird einem schlecht.

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Kommentare
  1. wassily sagt:

    Schöne Milljöööh-Studie, vor allem der Herr Tischnachbar ist göttlich getroffen. Ich vermisse freilich das Foto, ab Knie abwärts.

    Unter Schwaben würde man nach so einem Tag wohl sagen: „Besser als a Gosch voll Glufa…“

  2. miss k. sagt:

    Glufa, das musste ich jetzt erst mal nachschauen. Zum Glück gibt’s online schwäbische Wörterbücher. 😉
    In Wirklichkeit war’s natürlich doch ein sehr netter Tag, zumal ich das Geburtstagskind sehr gerne habe und viel zu selten sehe. Aber es ist echt immer dasselbe: Floskelei, viel zu viel Essen, gefolgt von Kaffee und Kuchen und immer ein paar Gestalten, die, nun ja, einen optischen Mehrwert mitbringen. An ein Foto fürs Blog hab ich gar nicht gedacht, Mist. Hast Du natürlich recht. Beim nächsten Mal.

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