Google, die anderen und ich.

Veröffentlicht: 3. August 2009 in Das Leben im Allgemeinen, Die Liebe im Besonderen
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Ich liebe das Internet. Ich kann jederzeit auf die andere Seite der Welt gucken, Nachrichten lesen, sinnlos Zeit verplempern mich unterhalten – toll. Vor allem ist fast alles, was ich wissen will, nur ein paar Klicks weit entfernt. Beruflich ein großer Vorteil. Privat ist es, naja, so eine Sache.

Inzwischen, das muss ich zugeben, werden bei mir viele Bekanntschaften standardmäßig gegoogelt beziehungsweise ist man über die diversen Communities ohnehin miteinander vernetzt und bekommt auf diese Weise  zwangsläufig so einiges mit. Dadurch kommen immer mal wieder Details ans Licht, die man lieber nicht wüsste. Manchmal ist es demütigend aber unterm Strich besser, wie bei diesem kleinen Gau hier. Ein früherer Verehrer beispielsweise (und ich verfremde die Realität an dieser Stelle ein bisschen zwecks Datenschutz) hat sich einstmals auf der Seite eines Bäckers verewigt, der regelmäßig eine Holde aus dem Dorf zum Mohnbrötchenmädchen krönte und auf seiner Homepage ausstellte. Das kommentiert dieser Verehrer im Gästebuch sinngemäß so: „Tolle Mohnbrötchenmädchen-Galerie! Nach genauer Betrachtung gefällt mir Mohni am besten, und über eine Nachricht von ihr würde ich mich total freuen.“ Zusammen mit vollem Namen und geschäftlicher (!) E-Mail-Adresse.

Das ist schon ein bisschen mehr als plump. Aber wie soll man das nun bewerten? Eine Momentaufnahme, entstanden vor Jahren, ein unbedachter Augenblick, eine Jugendsünde? Oder Standard und bis heute das Maß aller Dinge? Üblicherweise vertrete ich die Position, dass sich Menschen auch jenseits der Dreißig noch weiterentwickeln. Oder zumindest weiterentwickeln können. Mit dieser Einstellung bin ich aber auch oft genug an der Realität gescheitert. Vielleicht also Grund genug, wegen der paar Zeilen im weltweiten Web direkt die Finger davon zu lassen.

Vermutlich wär’s allerdings sinnvoller, die Finger stattdessen von der Tastatur zu lassen und sich mit unverstelltem Blick und gesundem Menschenverstand eine persönliche Meinung zu bilden – zumal viele der ergoogelten Infos auch offen für Interpretationen sind (und zwar im Zweifel die falschen). Faktisch bin ich aber viel zu neugierig, um dieses an sich großartige Medium nicht zu nutzen – auch wenn ich’s manchmal anschließend wirklich lieber nicht gewusst hätte. Klassischer Fall von Segen und Fluch zugleich.

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Kommentare
  1. zero_-_-cool sagt:

    Hmm, wie soll man das bewerten?
    Gute Frage!

    Jemanden nur nach seinem Onlinefußabdruck zu bewerten ist sicherlich nicht ausreichend. Die riesige Freiheit und die vielfältigen Möglchkeiten verleiten viele, Dinge zu machen, die sie normalerweise nicht machen. Wenngleich das auch einen Blick in die „andere“ Persönlichkeit erlaubt, weiß man nicht inwieweit dieser auch zutrifft. Insofern sollte man diese Informationen aus dem Netz wie die anderen auch behandeln. Mit Vorsicht.^^

    Allerdings kann man anhand der geammelten Informationen aus dem Netz, dass reale Verhalten evtl. besser einschätzen. Aussagen die jemand macht, sieht man dann vielleicht auch in einem anderen Zusammenhang.

    Fakt ist aber, dass auch das Internet nicht verhindert, dass man auf fehlgeleitete Schafe trifft, die selbst nicht wissen wonach sie suchen. Haltlos in einer immer komplexer werdenden Welt, ausgestattet mit zu wenig an Liebe, Selbstachtung und Achtung vor Anderen, poltern sie ihr ganzes Leben durch die Welt und ziehen jeden mit, der nicht aufpasst und sich rechtzeitig trennt.

  2. Ich gebe Zero Recht…

    Denke daher aber trotzdem man sollte wirklich aufpassen was man preis geben will für jedermann und was man lieber sein lässt oder zumindest versteckt oder unter einem anderen Namen macht.

  3. Sascha sagt:

    Da möchte ich ja besser gar nicht wissen, was du so über mich recherchiert hast 😀 Wobei ich mir eigentlich Mühe gebe, nicht zu viel von mir im Internet an öffentlich zugänglichen Stellen preiszugeben.

    Letztlich muss jeder mit einer gewissen Eigenverantwortung entscheiden, welche Daten er im Internet veröffentlicht und was er lieber „geheim“ hält. Nur sollte inzwischen auch herumgesprochen haben, dass das Internet (dank diverser Cache- und Archiv-Seiten) nicht vergisst. Wenn man mit diesem Bewusstsein im Internet unterwegs ist, ist das -meiner Meinung nach- schon ein großer Schritt zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit den eigenen Daten.

    Ach ja, damit das Internet dies hier auch nicht vergisst, sondern für künftige Generationen festhält: wo bleibt meine Postkarte? 😉

  4. miss k. sagt:

    Lieber Zero,

    Fakt ist aber, dass auch das Internet nicht verhindert, dass man auf fehlgeleitete Schafe trifft, die selbst nicht wissen wonach sie suchen. Haltlos in einer immer komplexer werdenden Welt, ausgestattet mit zu wenig an Liebe, Selbstachtung und Achtung vor Anderen, poltern sie ihr ganzes Leben durch die Welt und ziehen jeden mit, der nicht aufpasst und sich rechtzeitig trennt.

    Die Frage ist aber auch: Hilft mir das Internet, diese Schafe zu erkennen oder macht es mich zu einer voreingenommenen Person, die sich anmaßt, aus Bruchstücken Persönlichkeiten herauszubiografieren? Grundsätzlich läuft es wohl darauf hinaus, dass wir mit den gesammelten Infos noch vorsichtiger umgehen sollten als es im Allgemeinen ohnehin angebracht ist.

    @all
    Ist natürlich nicht immer ganz einfach, die Informationen zu einem selbst zu kontrollieren. Einerseits möchte ich mich schon frei bewegen und gelegentlich auch etwas austoben können. Kürzlich wurde mir allerdings sehr deutlich gemacht, dass auch harmlose Dinge (in gewohnt frechem Tonfall publiziert) durchaus sehr viel Interpretationsspielraum bieten – für diejenigen, die interpretieren möchten. Damit sind wir wieder beim obigen Thema, nur diesmal anders herum.

    Und Sascha, über Dich ist dank Vorsicht und Deines doch sehr gängigen Namens nicht viel rausgekommen. Ich darf dich aber an dieser Stelle daran erinnern, dass Du derjenige warst, der zuvor mit Tricks und Mühe meinen richtigen Namen recherchiert hatte! 😉
    Deine Postkarte liegt übrigens hier. Sie wird allerdings erst abgeschickt, wenn Du nicht mehr unmittelbar damit rechnest. 😉

  5. Sascha sagt:

    Deine Postkarte liegt übrigens hier. Sie wird allerdings erst abgeschickt, wenn Du nicht mehr unmittelbar damit rechnest.

    Ob es dann noch die Post gibt, um die Karte überhaupt zustellen zu können? 😀

    Aber ok, dann lass ich mich mal überraschen… ich rechne quasi schon gar nicht mehr damit 😉

  6. zero_-_-cool sagt:

    @miss k.
    Man muss sich bewusst machen, dass das Internet einem nicht hilft indem es die Persönlichkeit eines Menschen offenlegt. Aber man kann durchaus zwischen den Zeilen lesen. Und wenn man die Person dann im RL beobachtet, Übereinstimmungen feststellen. Je länger und je öfter jemand sich mit einer Person im Internet befasst, desto genauer wird die Einschätzung. Wie gesagt, die Infos ausm Netz sind für sich alleine wertlos. Im Zusammenspiel mit anderen Informationen jedoch, können Sie zu einem wichtigen Puzzlestück werden, die nötige Vorsicht vorausgesetzt. Ob man dann voreingenommen wird, oder leichtsinnig, liegt dann daran, wie man mit den Informationen umgeht und wie man selber unterwegs ist.^^

    Und das ganze nochmal in einem Satz:
    Nein, das Internet hilft keinem den schwarzen Schafen aus dem Weg zu gehen, aber es hilft dabei diese schneller zu erkennen und entsprechend früher zu handeln.

    Soweit zumindest meine Meinung 🙂

  7. joulupukki sagt:

    Das Internet … seltsamer Ort, an dem man schon unglaublich vielen Irren über den Weg läuft. Ein Platz, der dazu auffordert hinter vermeintlichen Anonymus Masken die realen Masken fallen zu lassen. Die Überraschung kann aber in beide Richtungen los gehen. Hab über das Internet auch schon Menschen kennengelernt, die sehr reif und gebildet schienen und sich dann im RL als 16 jährige Milchgesichter herausstellten. Und das heißt nicht, dass sie die Reife und Bildung nur vorgetäuscht hätten, sondern nur, dass man sie im RL in Kombination mit der Physiognomie einfach nicht wahrgenommen hätte.
    Und dann gibt es natürlich auch die ganze andere Bandbreite: von unbedarften Nutzer, der seine Daten gedankenlos preisgibt ohne mögliche Folgen abzuschätzen bis hin zu Psychos, die ihre Fährten bewußt verfälschen.
    Was bleibt? Im Internet gelesenes ist per se nie die Wahrheit, sondern nicht mehr und nicht weniger, als ‚im Internet gelesenes‘. Und für mich persönlich die Erkenntnis auch im realen Leben genauer hinzusehen, was oder wer sich hinter einem Menschen verbirgt.

  8. miss k. sagt:

    @joulupukki
    Definitiv: kompliziert, das. Aber wann war’s denn schon jemals einfach? 😉

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