Alles neu macht der April.

Veröffentlicht: 27. März 2010 in Das Leben im Allgemeinen, Die Liebe im Besonderen, Job
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Nie hätte ich gedacht, dass beim Verlassen meines Büros mal Tränen fließen würden. Heute war’s soweit. Heute war Abschied angesagt, nach genau fünfeinhalb Jahren scharfem Nachdenken, kreativem Leiden, wildem Tippen, noch wilderer Prokrastination. Tun und lassen zu können, was ich will, hat mir definitiv nicht immer gut getan. An einigen Stellen wäre etwas mehr von außen erzwungene Disziplin sicherlich hilfreich gewesen und hätte vielleicht ein oder zwei der zahlreichen Nachtschichten verhindert. Trotzdem fand ich es immer toll, selbstständig zu sein und im eigenen Rhythmus arbeiten zu können. Und natürlich war ich stolz auf mein kleines Baby. Stolz auf zufriedene Kunden, auf Erfolg, auf wirklich gelungene Ergebnisse.

Das hat jetzt ein Ende, denn neben der Texterei gilt meine Leidenschaft dem Radiojournalismus. Und aus meiner Sicht gibt es genau einen Sender, für den es sich in diesem Beruf zu arbeiten lohnt. Dort habe ich ein paar Jahre lang an der Tür gekratzt, konnte irgendwann den kleinen Zeh dazwischenzwängen, hab gedrückt, gerüttelt. Ruck-zuck war die Tür offen und ich hatte endlich meinen Traumjob, der sich zudem prima mit den Textkunden vertrug. Schnell war klar: Das macht mich glücklich. Und weil ich die Dinge gerne richtig mache, starte ich am kommenden Donnerstag bei eben diesem Sender ins Volontariat, das ich mir in einem dreitägigen Auswahlverfahren erobert habe.

Eigentlich müsste ich vor Freude den ganzen Tag auf und ab springen. Tu‘ ich aber nicht. In den letzten Wochen habe ich mein Leben umgekrempelt, meine Kunden aussortiert, stapelweise Papier weggeworfen, die ersten Unterkünfte an den Volontariatsstationen organisiert, mit Terminen jongliert, letzte Aufträge erfüllt und viele kleine Abschiede vollzogen. Von meinem Textbaby. Von liebgewonnenen Gewohnheiten. Von meiner Beziehung, was nichts mit dem Volontariat zu tun hatte, aber die Sache auch nicht eben leichter macht. Gestern dann die Kollegen aus dem Büro, die plötzlich mit Blümchen im Zimmer standen. Heute der offiziell letzte Tag dort. Nächste Woche noch drei Radiotage  und ein weiteres Good-bye. Ehrlich: Es reicht.

Fakt ist: Ich könnte heulen hab geheult. Es ist gerade alles zusammen etwas viel, zäh, schade um all die Dinge und Menschen, an denen mein Herz hängt. Aber es gab diese Woche einen Tag, den Mittwoch, an dem lag alles absolut klar und sonnig vor mir, ich hab gestrahlt wie nur was und mich gefreut auf das, was kommt: Leben, nächster Teil.

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Kommentare
  1. Sascha sagt:

    Es wäre ja auch schlimm, wenn du mit dem reinen Gefühl der Freude deinen bisherigen Lebensabschnitt beenden könntest, würde dies doch nur bedeuten, dass es dir bislang keinen Spaß, keine Freude bereitet hat, oder anders formuliert, dass du dein Leben bislang falsch gelebt hast, eben nicht so, wie du es möchtest.

    Dies ist aber offenkundig nicht der Fall. Deine Tränen sind der sichtbare und spürbare Beweis dafür, dass du etwas verlässt, an dem dein Herz ganz klar hängt… und das ist gut so! Du hast dich in der Vergangenheit selbst verwirklicht, was könnte man besseres getan haben?

    Und was kann man nun besseres tun? Ganz einfach: das, was DU tust. Weitermachen! Dein Leben leben. So, wie du es möchtest. So, wie du es magst. Damit du es magst. Damit du weiterhin fröhlich bist. Freude hast. Strahlen kannst. So mögen wir dich auch am liebsten 😉

    Ich bin mir sicher, du hast genug Herz, dass sowohl die Erinnerungen der nun zuende gehenden Vergangenheit, als auch die kommenden Erlebnisse der Zukunft dort ihren gebührenden Platz einnehmen können. Also, lass dein Herz weiter schlagen – für die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Schlag auf Schlag, immer am Puls der Zeit… so, wie du es magst. So, wie wir dich mögen.

  2. Der Roger sagt:

    An meinem letzten Arbeitstag als ICE-Lokführer wurde ich von einigen Kollegen verabschiedet. Wir lachten, schüttelten Hände, versprachen uns, dass wir uns wieder sehen werden und dann ging ich. Tapfer. Setzte mich ins Auto. Und blieb etwa zwanzig Minuten auf dem Parkplatz stehen, weil ich nicht aufhören konnte zu heulen.

    Ich bin so gespannt auf die Geschichten aus deinem neuen, spannenden Leben. Es wird großartig werden.

  3. miss k. sagt:

    Jungs, Ihr seid großartig. Alle beide. Danke Euch. (Ich heul schon wieder.)

  4. Wassily sagt:

    Dann mal willkommen im Club.

    Diese ANSTALT braucht dringend eine kreative Infusion – von jungen, leidenschaftlichen Journalisten.

    Gute Journalisten müssen/dürfen ein wenig verrückt sein.
    In diesem Sinne: Hau rein, Mädel !

  5. miss k. sagt:

    Danke, Wassily. Dir vor allem. 🙂

  6. […] öde, sich am Blitzblankgrad der Wohnung zu messen, und ich beneide daher gerade doch ein wenig Miss K., die Lebensentwurf-technisch derzeit ziemlich mit sich im Reinen sein […]

  7. wie war das:

    „Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
    bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
    um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    in and’re, neue Bindungen zu geben.
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“ (H.Hesse)

    ich wünsche ihnen alles gute, werteste! und immer (manchmal auch trotz allem) ein lächeln auf den lippen.

    • miss k. sagt:

      Sehr zauberhaft… lieben Dank. Und ich bin zwar nicht mehr so oft in Stuttgart, weil ich während des Volontariats ständig durch die Gegend geschickt werde, aber ich hoffe sehr, Sie bald mal hier begrüßen zu können!

  8. Frau Elise sagt:

    Immer dem Herzen nach, das ist der einzige richtige Weg. Viel Glück und toi toi toi. Und wart ab, auch wenn es jetzt noch hart ist, sich von Liebgewonnenem zu verabschiedenen: eine Tür geht zu und dafür gehen mindestens drei neue wieder auf.

  9. Doro sagt:

    Hey Katrin,
    dieses Gefühl der Aufbruchstimmung kann ich gerade gut nachvollziehen. Ich fange im August bei der sendermäßigen Nachbarfamilie an und freue mich sehr drauf, wenngleich es auch noch viele Unsicherheiten gibt (Stichwort Selbständigkeit). Und jetzt suche ich ein WG Zimmer in Köln, denn den Gatten zieht es nach Basel… wenn nicht alles doch noch anders kommt, denn gerade ändern sich die Pläne alle paar Tage.
    Aber: das Leben ist spannend! Ich hoffe du hattest einen richtig guten Start als Volo und wünsche alles Gute für diese Zeit!!

    die Doro

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