„So richtig renitent!“

Veröffentlicht: 15. Juli 2010 in Das Leben im Allgemeinen

„Entschuldigung“, sage ich zu dem illustren Männerduo, „es gibt da einen Wassily, der vor 20 bis 30 Jahren mal in Tübingen studiert hat. Dem habe ich versprochen, hier im Boulanger mit den Alt-Linken ein Bier auf sein Wohl zu trinken. Wär ich da bei Ihnen richtig?“

Schon geht’s los. „Alt-Linke? Mir? Awa. Mir sin bloß a paar Übrigbliebene“, tönt es zurück. „Da müsset Sie mei Weib froga“, fügt der mit dem gewaltigen Schnauzbart hinzu.“ „Ach was, Dei Weib doch net“, fährt ihm der mit dem roten Knubbelgesicht dazwischen. „Ha doch, die war überall dabei, auch bei Ämneschti Internäschenäl“, kommt der Schnauzbart in Fahrt, „gell Fräulei, froget Se mol nach dr Rota Ophelia, die isch richtig renitent!“ „Awa, Dei Frau isch doch net renitent!“, poltert das Knubbelgesicht zurück. Darauf der Schnauzbart: „Woher willsch denn Du des wissa?“

Einen kurzen Moment lang herrscht Stille. Dann ist die Rote Ophelia, die heute leider zu Hause geblieben ist, vorerst kein Thema mehr, dafür aber der damalige Tübinger Treffpunkt der Baader-Meinhof-Gruppe und zahlreiche andere alte Geschichten. Im weiteren Verlauf werde ich eingeladen, auf dem Schoß des Knubbelgesichts Platz zu nehmen. Ich gehe grinsend nicht weiter darauf ein, sondern halte stattdessen meine Bierflasche in die Runde und sage „Auf Wassily!“ „Haja, auf dr Wassily.“

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Kommentare
  1. wassily sagt:

    Neulich, im Boulanger

    D`r Made: „Woisch, Wassily, do kommt des Mädle rei ond mischd dia Baiz uff“
    Wassily:“Ha No…“
    D`r Made:“Hockt sich na ond schwätzt mit, als ob se dabei gwä wär“
    Wassily: „Sag blos…“
    D`r Made: „So oine häd mer domols braucha kenna“
    Wassily:“ Do hosch au wiedr recht“
    D`r Made: „Proschd, Wassily !“
    Wassily: „Gxondheit, Made !“

    Miss K., Vergelt´s Gott für diese schöne Reminiszenz… und Gruß auf den Österberg

  2. (L) sagt:

    Dazu passt der schöne Satz, der zwar nicht vor dem Boulanger, sondern vor dem Mauganeschtle über einer Bank geschrieben steht – aber das ist immerhin auch in Tübingen: „Do hogged dia dia emmer do hogged.“

    Ja, eine waschechte Boulanger-Begegnung. Und sie liest sich so herrlich – als wäre man dabei gewesen!

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