Leib und Leben.

Veröffentlicht: 26. Juli 2010 in Family & Friends
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Dein Hefezopf. Flachswickel. Himbeeren. Kirschen. Schokolade. Kleine Scheine für abgebrannte Enkelkinder. Der Rehbraten, von Opa geschossen, von Dir geschmort. Nie ohne Dosenbirnen und Preißelbeeren. Von den mitgeschmorten Karotten immer zwei bis fünf unpüriert gelassen, extra für mich. Die riesige Bettdecke, Überlänge und Überbreite: Mit 17 das seltsamste Geschenk, das ich je von Dir bekommen habe. Heute etwas, worauf ich im Leben nicht mehr verzichten würde. Linsen mit Spätzle, nur echt von Oma. Die Weihnachstradition. Gschwind, Dein Lieblingswort. Der Rollator, mit dem sich der Schmutz so herrlich verteilen lässt. Finger im Topf. Die Kittelschürze. Die Flecken darauf. Die alte Geschichte, als ich Dir schmierseifegetränkt aus den Armen und mit dem Gesicht voran auf den Rand der Badewanne gestürzt bin und wochenlang niemand wusste, ob das Kind jemals wieder normal aussehen würde. Sie hat Dir bis zum Schluss mehr wehgetan als mir. Dein Sessel, Stammsitz der Familie. Frau im Spiegel, Neue Post & Co. Das Kreuzworträtsel in der Sonntag aktuell. Geburtstagskarten in Sütterlinschrift. Maultaschen, selbstgemacht. Deine Orchideen. Geriebene Zitronenschale im Hipp-Gläschen. Schneckennudeln. Feuchte Küsse.

Du fehlst schon jetzt.

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Kommentare
  1. „Wenn nur der Tod nicht so schwer wäre“, sagte Jum-Jum. „Wenn nur der Tod nicht so schwer wäre und wir nicht so klein und einsam.“ (Mio, mein Mio)

    Mein herzlichstes Beileid! Viel Kraft für die nächste Zeit!
    Mirjam

  2. wassily sagt:

    Was für eine traurige Liebeserklärung. So jemand wird man nie vergessen. Sei tapfer.

  3. miss k. sagt:

    Was mir heute rückblickend wirklich gut getan hat, waren drei Wünsche, die ich ihr in den letzten Wochen nichtsahnend noch erfüllt habe. Nämlich erstens, sie vergangenen Mittwoch zum Familiengeburstag und wieder nach Hause kutschiert zu haben. Keine große Sache, aber noch ein bisschen Alleinzeit mit ihr kurz vor knapp. Weil halt manchmal doch ein paar Wochen zwischen den Besuchen des mittelzuverlässigen Enkeldings lagen. Zweitens, dass ich ihr eine CD mit einer Auswahl meiner Reportagen, Beiträge und Nachrichtensendungen gebrannt habe. Weil sie sich das seit Monaten wünschte und ich wegen Kein-Rohling-zur-Hand-und-huch-vergessen dafür viel zu lange gebraucht habe. Und drittens, dass ich ihr eine Stunde lang Bilder aus Neuseeland gezeigt habe. Und sie, die Reiselustige aber nicht mehr -fähige, sagte zum Schluss: „Ach schön, jetzt hab ich das auch mal gesehen.“

  4. kleinereimer sagt:

    Ach Du Liebe, lass Dich in den Arm nehmen. Wie viel diese kleinen Wünsche wert sind, erinner ich nur zu gut. Wie schön, dass sie statt fanden.
    Und diese ganzen Erinnerungen wach und lebendig halten, das Leben feiern, nicht den Tod betrauern…auch das hilft irgendwann.
    Sei inniglichst umarmt!

  5. (L) sagt:

    Ich erinnere mich, wie du mir von ihrer Hand erzählt hast, die das Wasser in der einweichenden Pfanne umrührt, bevor sie zurück an den Rollator greift. Danke, dass du dieses Bild geteilt hast. Viele andere Bilder sind ganz allein deine. Und das freut mich sehr für dich.

    „Der Tod lächelt uns alle an, das einzige was man machen kann ist zurücklächeln.“ Ich hoffe, das kannst du, wenn du an deine Oma denkst.

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