No crap from anyone.

Veröffentlicht: 31. Oktober 2010 in Das Leben im Allgemeinen, Travel
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Bild von coda

„Here you go, white girl“, stieß er undeutlich zwischen den Zähnen heraus und riss mir Handy und Geldbeutel aus dem Schoß. „Verdammt, der Kerl hat Dein Leben in der Hand“, dachte mein Gehirn – und bezog sich damit keineswegs auf die Herzfunktion, sondern auf meine Ausweise, die nagelneue Kreditkarte für Notfälle und alle Telefonnummern, die mir damals wichtig waren. Ich war 23 Jahre alt und zwei Tage zuvor nach Kapstadt gezogen. Neue Heimat für ein Semester.

Während das Hirn noch verblüfft versuchte, die Geschehnisse zu erfassen, hatte meine Hand den Kerl bereits am Kragen gepackt. Wir stürzten rücklings die kleine Mauer hinunter, auf der ich gesessen hatte, und landeten im Gras. Zwei Kommilitoninnen kamen mir zu Hilfe. Unser gemeinsames Geschrei alarmierte schließlich die Bewohner des Hauses, in dessen Vorgarten wir verbissen miteinander rangen.

Zimperlich waren sie nicht. Sie setzen den klein gewachsenen, schmächtigen Milchschokofarbigen erst mal in einer der Wohnungen fest und riefen die Polizei. Ich ließ mir schnell das notwendige Vokabular beibringen – „mugger“, keine Vokabel hat sich je nachdrücklicher eingeprägt – und schilderte eine Stunde später auf der Polizeiwache mit den beiden Mädels die ganze Geschichte. Der zuständige Beamte sah zwischendrin von seinem Formular auf, schüttelte grinsend den Kopf und sagte nur „You girls won’t take crap from anyone, will you?“

Vier Monate später wurde ich als Hauptzeugin vor Gericht geladen. Hopewell, mein stark in seiner Ehre gekränkter Dieb, gab in der Befragung an, er habe Kleingeld für den Bus gebraucht. Weil er den Bus aber schon habe kommen hören, habe er keine Zeit gehabt, zu fragen. Warum er dann auch das Handy genommen habe? Nun, falls er den Bus doch verpasst hätte, hätte er seine Tante anrufen müssen, dass er später komme. Dezentes Amüsement in allen Gesichtern.

Da Hopewell sich selbst verteidigte, durfte er mir nach der Staatsanwältin ebenfalls ein paar Fragen stellen:

„Why didn’t you tell them that you hit me?“
„Well, no one asked me.“
„But you hit me!“
„Yes. You mugged me.“

An dieser Stelle verwandelte sich das Amüsement in offenes Grinsen. Etwa zehn Minuten später  wurde Hopewell zu einer Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt, Bewährungszeit drei Jahre. Ein Präzedenzfall, erklärte man mir. Es sei eher selten, dass die Täter bei Raubüberfällen geschnappt würden.

Nun ja. Für mich war es bis dahin eher selten, überfallen zu werden. Der Adrenalinpegel führte nach diesem Erlebnis einige Wochen lang ein etwas bizarres Eigenleben. Irgendwann ging’s auch wieder. Aber nie wieder hatte ich danach meine Habseligkeiten offen in den Händen. Und die schöne Spiegelreflex-Kamera, die ich mir extra für das Auslandssemester gekauft hatte, blieb fast immer zu Hause im Schrank.

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Kommentare
  1. ich komme gerade von dort und beneide sie ein wenig (ziemlich) ob ihres auslandssemesters :o)

  2. (ach, ich meinte natürlich :))

  3. miss k. sagt:

    Oh, dann müssen wir das umdrehen: _Ich_ beneide _Sie_! Denn bei mir ist das ja schon fast elf Jahre her. 🙂

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