NewZ XVI. Arschglühen.

Veröffentlicht: 29. Dezember 2010 in Travel
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Über dem Lake Te Anau türmt sich eine dunkle Wolkendecke, unterbrochen von einzelnen Sonnenstrahlbündeln. Der Weg zu den Glowworm Caves führt nur über den See. Der Wind weht so stark, dass wir uns auf dem Katamaran mit beiden Händen an der Reling festhalten müssen. Nach dem Aussteigen kämpfen wir mit Hör- und Gleichgewichtsstörungen.

In der Höhle ist es laut. Das saure Wasser frisst sich seit 35 Millionen Jahren seinen Weg durch das  riesige Höhlensystem aus Kalkstein, es gurgelt um uns herum und stürzt sich in dunkle Tiefen. Je weiter wir hineinkommen, desto stiller wird es, bis wir schließlich mit dem Boot in eine Kaverne gelangen. Sie ist zappenduster, aber an den Wänden glühen Zehntausende winziger Leuchtdioden. Weißblaues, kaltes Licht, powered by Glühwürmchen-Larven. Sie hängen bis zur Verpuppung neun Monate lang an den Wänden und fressen, was reingeht. Dazu sondern sie bis zu 20cm lange Schleimfäden ab. Sobald sich ein Insekt darin verheddert, wird es hochgezogen und verdaut. Je hungriger die Larve ist, desto heller leuchtet sie – oder um genau zu sein: ihr Verdauungstrakt. Faktisch glüht beim Glühwürmchen also nur der Arsch.

Wir sind restlos fasziniert: Dunkle Stille, Abertausende glühender Zauberwürmchen. Insgesamt könnte dieser Ausflug höchst romantisch sein. Wenn man nur wüsste, ob die Tropfen, die gelegentlich von der Decke fallen, nur Wasser sind oder ob im Gesicht gerade ein abgestürztes Glühwürmchen notlandet.

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