Was Frauen können.

Veröffentlicht: 13. Februar 2011 in Aufgelesen, Das Leben im Allgemeinen, Job
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Vor drei Tagen macht es pling und der Nachrichtenticker spuckte eine neue Meldung aus: Belgiens Frauen seien zu einem Sex-Streik aufgerufen, um die dahindümpelnde politische Krise im Land zu beenden. Die Idee kam von Senatorin Marleen Temmerman und war, wie sie eilig nachgeschoben hat, nicht ganz ernst gemeint. „Wir haben uns gefragt, was die Frauen tun können“, erläuterte die Parlamentarierin ihren Vorschlag dennoch – und erntet nach eigener Aussage viel Zuspruch.

Irgendwann möchte ich mal sagen können, dass mich solche Einwürfe langweilen. Das würde nämlich bedeuten, dass sie emanzipationspolitisch nicht mehr relevant wären. Derzeit muss ich mich leider noch darüber aufregen. Das Beispiel zeigt einmal mehr, wie archaisch das Bild der Frau in der Gesellschaft nach wie vor ist, aller stolz vor sich hergetragenen Emanzipation zum Trotz. Dem echten, inneren Feminismus ist doch irgendwo unterwegs die Puste ausgegangen.

Das Perfide daran ist, dass derartige Äußerungen in aller Regel von Frauen postuliert werden – und die dürfen das auch noch weitgehend ungestraft. Jeder Mann wäre für so viel Frauenverachtung längst geteert und gefedert worden. Nur wir Frauen dürfen ungehemmt weiter darauf bestehen, dass wir eigentlich in die Küche und ins Bett gehören. Auch zu sehen an den verschiedenen Standpunkten beim Thema Frauenquote. Viele Frauen lehnen die Quote vehement ab, mit dem Verweis, sie wollten aufgrund ihrer Leistung nach oben kommen. Das kann ich verstehen, so habe ich auch lange über die Quote gedacht. Nur: Gute Leistungen reichen als Frau nicht im gleichen Maße aus wie als Mann. Wir bekommen bei gleicher Leistung und Qualifikation ja oft noch nicht mal dasselbe Gehalt.

Eine Frauenquote kann in diesem Sinne eben nicht bedeuten, wie von vielen interpretiert, dass eine für den Job ungeeignete Frau eingestellt wird, nur weil sie eine Frau ist. Wir reden hier von Gleichberechtigung bei gleicher Qualifikation. Wir reden von einer Chance in einer Gesellschaft, in der Männer im Job immer noch mehr gelten. Die Frauenquote könnte den Einstieg ermöglichen. Ansonsten gilt wie immer: Wer seinen Job nicht gut macht, ist ihn – als Mann oder Frau – im Zweifel schnell wieder los. Zu Recht.

Und ja, ein Stück weit kann ich die  Argumentation nachvollziehen, dass Frauen nicht so sehr nach oben wollen wie Männer. Aber warum? Könnte durchaus damit zu tun haben, dass sich Frauen anders als Männer oft zwischen Familie und Beruf entscheiden müssen. Damit sind wir bei einer weiteren Gruppe entschiedener Gegnerinnen der Frauenquote: Die, die sagt, die Quote bringe nichts. Wir bräuchten nicht mehr Frauen in den Vorständen, sondern zunächst mal bessere Bedingungen für Mütter in Form von Teilzeitmodellen, Home-Office-Optionen und vor allem besserer Kinderbetreuung. Ja, natürlich! Aber wären weibliche Vorstände und Geschäftsführerinnen nicht der sehr viel effektivere Weg, genau das zu erreichen? Wer will sich denn da allen Ernstes auf die Politik verlassen?

Ich nicht. Und im Übrigen, Frau Temmerman, habe ich Sex, weil er Spaß macht – nicht, um meinen Mann von Wichtigerem abzuhalten. Sie hoffentlich auch.

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Kommentare
  1. Wassily sagt:

    Herjeh…

    dann hätten die armen belgischen Männer nur noch Bier, Pommes und Fußball.

    Ich bin ausdrücklich für die Frauenquote, ganz im Ernst. Wobei, in dem Dir auch näher bekannten Unternehmen gibt es so einen gewaltigen Nachholbedarf, dass ein Mann heutzutage so gut wie keine Chance mehr hat, den Job zu kriegen… es sei denn, er wird aus männlich-politischen Seilschaften protegiert. Und wer will das schon? Ich jedenfalls nicht.

  2. zero_-_-cool sagt:

    Mein Grundsatz lautet ganz klar, dass die Positionen nach der Leistungsfähigkeit vergeben werden sollen. Dazu zählt auch Flexibilität, Kreativität, Motivation uvm.
    Da ist es egal ob die Person eine Frau oder ein Mann ist.

    Die Quote hat für mich gleich zwei negative Aspekte. Der Erste ist das es wahrscheinlich gar nicht genügend qualifizierte Frauen gibt um die Quote zu erfüllen. Der zweite ist, dass hier die Politik versäumt hat, ein familiengerechtes und frauenfreundliches Umfeld zu schaffen. Es ist nach wie vor sehr schwierig für Eltern in unserer Gesellschaft Kinder groß zu ziehen. Und nun fadenscheinig eine Quote einführen zu wollen ist heuchlerisch. Damit schlägt man der Hydra nur einen Kopf ab, dabei müsste man ihr ins Herz stechen.

    Allgemein kann ich zur Emanzipationsthematik nur sagen, dass es viel einfacher wäre, wenn sich beide Seiten ihrer Unterschiede und Gemeinsamkeiten bewusst werden würden. Natürlich kann eine Frau nicht alles machen und soll sie auch gar nicht. Im Gegenzug geht es den Männern doch genauso. Das ist von der Natur gegeben. Allerdings sollte in der Gesellschaft ein Klima der Gleichberechtigung angestrebt werden. Es sollten jedem, alle Möglichkeiten offen stehen. Nicht nur zwischen Mann und Frau, sondern zwischen allen Menschen. Da können wir aber bei Mann und Frau anfangen und gleich bei der Schulausbildung weitermachen. Oder bei der Integration von Ausländern. Oder oder oder…^^

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