Morgens riechst Du an dieser einen Stelle ziemlich penetrant nach Pisse, aber ich habe gelernt damit umzugehen. Es ist nun mal der kürzeste Weg zur Arbeit und hey, um diese Uhrzeit hat mein Langschläferherz keine Sekunde zu verlieren. Abends nehme ich dafür nicht die Hintertreppe zur Bahn, sondern den Weg durch die Haupthalle. Vorbei an fettiger Überbackenekäsestangenluft, dem scharf gewürzten Cous-Cous, den Crêpes, die auch immer ein bisschen verbrannt riechen. Und ganz egal, wo ich bin, alle paar Meter mischen sich Döner und Falafel darunter. Knoblauch in rauen Mengen, auch gerne mal frühmorgens an ausnehmend schönen Menschen. Was die Schönheit ein wenig relativiert.

Und Du riechst nach Macht. Nach leerem Blabla und Profilierungssucht. Nach linker Szene am Oranienburger Tor. Multikulti in Kreuzberg. Jugendliche Prügler am Bahnhof Friedrichstraße, wo ich etwa dreimal täglich bin und wo ich gerne hoffen möchte, dass ich auf die eine oder andere, auf jeden Fall aber wirkungsvolle Weise eingeschritten wäre. Nach Touristenbooten entlang der Spree, mit und ohne Büffet. Nach täglich zwei Handvoll Bettlern, schlechtem Gewissen und parallel immer mindestens drei Straßenzeitungen als Klolektüre. Nach dem Akkordeonspieler in der Bahn, der zwar nervt, aber immerhin versucht, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Nach gruseligen U-Bahn-Begegnungen mit der Vergangenheit.

Und sonst so? Wilde Träumereien. Entengrütze. Joghurteis. Du riechst nach Sonne in der Hängematte, während der Espresso auf der Herdplatte blubbert. Nach lauer Frühlingsnacht, durchküsst bis Morgengrauen. Nach Rotwein und Pfefferminzschnaps in der Margarethe F. Nach Buttercreme-Cupcakes und Prosecco-Himbeeren mit Fräulein Sorglos. Nach Leben ohne Schlaf. Kurz gesagt: Du riechst nach mehr.

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Kommentare
  1. finde ich auch – und habe deshalb mit dem liebsten beschlossen, im sommer eben dorthin zu ziehen. und vielleicht klappt unser treffen dann ja mal dort, denn ob sie’s glauben oder nicht – ich habe die werten herren brüder immer noch nicht im schwabenländle besucht (an bzw kurz vor pfingsten ist es soweit – falls sie dann wieder im ländle weilen und lust auf einen kaffee hätten…) herzliche grüße in die hauptstadt (am donnerstag weile ich auch für ein paar stunden und vorstellungsgespräche dort. wäre ja lustig, wenn wir uns zufällig über den weg laufen sollten)

    • miss k. sagt:

      Oh. Verehrteste, ich beneide und beglückwünsche Sie! Berlin ist eine wunderbare Stadt und ich gehe äußerst ungern – just am Donnerstag, an dem Sie hier weilen. Abflug etwa um die Mitttagszeit. Und Sie?

      Und was Pfingsten angeht *googelt Pfingsten 2011* – ja! Da Bin ich grundsätzlich im Ländle! Zwar ggf. wegen des Liebsten außerländlich, aber ich würde sagen, wir schauen mal, wie das wird. Denn ein Kaffee mit Ihnen, das wäre ja die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches.

      Ergebenst, Ihre K.

  2. Werde schon Mittwoch Abend anreisen und dann Donnerstag von Vorstellungsgespräch zu Vorstellungsgespräch hoppeln (hoffend, dass zeitlich alles klappt…). Ihnen einen guten Rückflug – und wenn ich denn genauen Termin für den Besuch um Pfingsten habe, melde ich mich bei Ihnen!

  3. falls Sie zufällig zeit haben sollten (wobei es natürlich Ihr letzter abend ist), morgen abend einen kaffee o.Ä. trinken zu gehen – ich wäre so gegen 20:30 in mitte. aber ich dachte mir, ich sage dennoch mal bescheid 🙂

    • miss k. sagt:

      Das ist lieb, aber in der Tat: Mogen ist Abschiedsabend, wir gehen essen. Schade.
      Je nachdem, wo Sie wohnen (Charlottenburg?) zund wann das erste Interview ist, wäre am Do aber noch ein Frühstückskaffee drin.

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