Ein Schloss in Paris.

Veröffentlicht: 27. August 2012 in Die Liebe im Besonderen, Travel
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Nicht mehr ganz frisch, aber immer noch glücklichst verliebt und gemeinsam in Paris – da gehört ein Vorhängeschloss an einer der Seine-Brücken zum süßen Pflichtprogramm. Wir fanden die Idee schön, so richtig begeistert aber war das neunjährige Kind in unserer Begleitung. Erste Enttäuschung gab es bei der Auswahl des Schlosses. Das Kind verlangte nach der klassisch mattgoldenen Variante mit Schlüssel zum In-die-Seine-Werfen. Der Mann und ich fanden das poppig bunte Zahlenschloss mit Platz für den Jahrestag besser. Zum Glück nichts, was ein Eis am Ufer nicht wieder ausgleichen konnte. Der Mann programmierte den gewünschten Zahlencode und gravierte mit der Spitze seines Taschenmessers unsere drei Namen in das Schloss.

Nachdem das Kind auf der Pont des Arts einen adäquaten Platz ausgesucht hatte, stellten wir allerdings fest: Bei der Programmierung war wohl etwas schief gegangen. Das Schloss ließ sich nicht schließen. Der Mann probierte, ich probierte, derweil hüpfte das Kind um uns herum und quengelte „Papa, Papa, lass mich mal!“ – „Nein, wir machen das jetzt.“ – „Aber Papa, ich kann das, lass mich auch mal!“ Irgendwann gaben wir auf und das Schloss dem Kind. Es dauerte genau 30 Sekunden, da machte es Klick und das Kind verkündete freudestrahlend „Guckt mal, ich hab’s zugekriegt!“ Schade, dass es zu dem Zeitpunkt nicht am Geländer hing, denn: Jetzt ging das Schloss nicht mehr auf. Wir probierten die ersten Zahlenkombinationen systematisch von 000 bis 250 durch – erfolglos. Der Mann übte sich als Auslöser dieser Pleite in Selbstkasteiung, ich lachte und schlussendlich entschieden wir, das Schloss zu Hause ins Regal zu stellen. Hat ja auch nicht jeder.

Wir hatten die Rechnung allerdings ohne das Kind gemacht. Auf dem Weg zur geplanten Seine-Rundfahrt flossen erst heiße Tränen, dann verlangte es das Schloss und schlurfte fortan mit gesenktem Kopf und fliegenden Fingern schniefend neben uns her. Drei Souvenirläden später konnte ich das Elend nicht mehr mit ansehen und ging hinein, um ein neues Schloss zu kaufen, mattgolden und mit Schlüssel. Als ich an der Kasse stand, ein Jubelschrei: „Jaaaaaaaaaa, ich hab’s, ich hab’s, ich hab’s geschafft!“ Schloss offen, ich baff, Papa irgendwo zwischen beschämt und stolz, Kind unbändig glücklich. Nach der Seine-Tour, inzwischen war’s tiefnacht, gingen wir zurück zur Pont des Arts und vollendeten den Plan.

So haben wir jetzt ein Schloss in Paris. Und ein Kind, das ebenso stolz wie froh ist.

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Kommentare
  1. Thomas sagt:

    Sehr sehr schön.

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