Archiv für die Kategorie ‘Das Leben im Allgemeinen’

MilchkaffeeDer erste Schluck ist eine Offenbarung, der zweite die reine Freude. Weich gebranntes Braun, cremiges Weiß, perfekte Harmonie. Und das, obwohl Milchkaffee in The Barn Roastery als verpönt gilt. Ich übrigens auch ab demnächst. Die Rösterei mit Café im Prenzlauer Berg hat es geschafft, sich in kürzester Zeit bei zahlreichen Kinderwagenschiebern unbeliebt zu machen – mit einem Poller mitten im Eingang. Denn Kinder sind hier nur geduldet, wenn sie weder krümeln noch die Ruhe stören, erklärt der Inhaber sinngemäß im Gespräch mit der „Welt“. Sein Ziel: Kaffee zelebrieren – und da ist er übrigens konsequent: Laptops und Handys sind ebenso unerwünscht, Hintergrundgedudel sucht das Ohr vergeblich.

Und wenn er „Kaffee“ sagt, meint er das auch genauso. Ohne Schnickschnack wie Zucker und Milch. Filterkaffee ist das Gebot der Stunde, handgetropft. Dass ich meinen trotzdem mit geschäumter Milch bekomme, ist ein Zugeständnis an Berliner, die’s noch nicht begriffen haben. Und milchschaumversessene Stuttgarterinnen, die kurz vor der Geburt des ersten Kindes noch möglichst viel unternehmen wollen, was mit der gesamten Baby-Ausrüstung kompliziert wird.

Rüblikuchen

Den mütterlichen Aufschrei kann ich zwar im Ansatz nachvollziehen. Gleichzeitig finde ich es aber selbstverständlich, dass ein Café-Betreiber sein gewünschtes Konzept umsetzen darf. Und hier bin ich also – den hoch gelobten Kaffee kosten und der Barn Roastery nebenbei zeigen, was sie ab August verpassen wird. 😉 Um es kurz zu machen: Ich liebe es. Helle, klare Weiß-und-Holz-Optik, lang gezogene Eck-Theke, eher spartanische Einrichtung mit nicht ganz bequemen Sitzklötzen und langer Bank, Baulampen an Wandhaken. Gedämpfte Atmosphäre, passend zum Regen vor der Türe. Stilechtes Kaffee- und Röst-Equipment. Und ein saftiger, verschwenderisch mit Zuckercreme garnierter Rüblikuchen, der mich gemeinsam mit dem Milchkaffee dazu verführt, hier ein paar Stunden in herrlicher Ruhe zu verbringen.

The BarnCopyright: Erik Borälv

PS: Kurz nach meinem Besuch Ende Mai haben sich die Sonntags-FAZ und die Stuttgarter Zeitung dem Trend zum Filterkaffee und auch der Barn Roastery gewidmet.

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Schweiß, Schweiß, Baby.

Veröffentlicht: 20. Juni 2013 in Das Leben im Allgemeinen
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Jaja, wir haben uns den Sommer hergewünscht wie sonst was, den Regen verflucht, die Kälte abgrundtief verachtet. Dass die Hitze ausgerechnet ankommt, wenn ich erst zwölf Tage im Klinikbett liege und nun bei knapp 40 Grad ohne Ventilator in einer Dachwohnung ausharren muss, ist das schlechteste Timing aller Zeiten. Zum Glück bin ich hier nicht die einzige kurz vor Hitzeschlag. Und bei genauer Betrachtung kann ich mich glücklich schätzen, denn ich habe von uns dreien mit Abstand am wenigsten Fell.

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herz_für_zucker

Stimmen zur Ernährung bei Schwangerschaftsdiabetes

Hebamme 1
Äpfel sind nicht so gut, lieber Bananen.

Hebamme 2
Bananen unbedingt vermeiden, hoher BE-Wert. Lieber Äpfel. Müsli ist prima, Vollkorn auch.

Diätassistentin
Müsli geht in kleinen Mengen, statt Milch lieber Naturjoghurt oder Quark nehmen, Eiweiß- statt Vollkornbrot, auf keinen Fall Bananen, keine Diätprodukte, keine Rosinen.

Gynäkologin
Kein Zucker, am besten auch kein Fett, wenig Kohlenhydrate, keine Säfte, allerhöchstens zwei Portionen Obst am Tag, Erdbeeren nicht so toll, Vollkorn nur gemahlen, maximal 1/4 Liter Milch, dafür viel Gemüse und Salat. Auf meine Rückfrage, wovon ich denn satt werden solle, zuckte sie die Schultern.

Diätologin
Bloß keinen Naturjoghurt sondern Quark, Vollkorn gerne auch in ganzen Körnern, mindestens zweimal Obst am Tag, besser Äpfel als Bananen, Erd- und andere Beeren auch prima, Vollkornbrot ist gut, wenn nötig ein bisschen dunkle Schokolade, bewusst fetthaltige Lebensmittel wählen, weil Fett die Aufnahme von Kohlenhydraten blockiert und damit verhindert, dass der Blutzuckerspiegel explodiert. Daher zum Beispiel, wenn Eis, dann lieber ein Milchspeiseeis ohne Waffel statt Wassereis und wenn Kuchen, dann lieber Schwarzwälder Kirsch als Obstkuchen – es sei denn, es kommt Sahne obendrauf.

So wie’s aussieht, darf ich also alles.

Lineniennetzplan

Lineniennetzplan

Gemäß ärztlicher Anweisung wäre ich heute morgen besser mit dem Auto zum Pflichttermin gefahren. Weil aber Parkplatzsituation am Ziel miserabel und Haltestelle direkt daneben sind, nahm ich den öffentlichen Nahverkehr. Auf der Hinfahrt klappte das prima.

Auf der Rückfahrt setzte ich mich versehentlich zunächst in die falsche Bahn. Also wieder aussteigen und umplanen. Ich wartete etwa zehn Minuten, bis die richtige Bahn einfuhr – und zwar am gegenüberliegenden Bahnsteig. Also ging ich rüber, wartete weitere sieben Minuten, stieg ein. Zwei Haltestellen später war Umsteigen angesagt. Ich vergaß aber, auszusteigen. Also nächste raus, wieder in die Gegenrichtung gefahren, diesmal richtig ausgestiegen. Und am nächsten Bahnsteig richtig eingestiegen, in eine der beiden Linien, die mich sonst bis nach Hause bringen. Zwei Stationen vor meiner Haltestelle war allerdings unerwartet Endstation: Um diese Uhrzeit fährt die zweite Linie eine kürzere Route. Also noch mal neuen Bahnsteig aufgesucht, neun Minuten gewartet … und schon in nur etwa 40 statt 15 Minuten zu Hause gewesen.

Das ist offenbar nicht nur nicht mein Tag, sondern auch schon nicht meine gesamte Woche.

(Die Schwester übrigens, mit der ich während der Fahrt per Whatsapp verbunden war, kommentierte nur trocken: „Gib Bescheid, wenn ich dich in München abholen soll.“)

Die kleine groß Zehnjährige des Mannes muss heute zum ersten Mal beim Bahnfahren umsteigen. Was ihr bislang alleine gedanklich enorme Bauchschmerzen bereitet hat, aber diesmal lässt es sich nicht vermeiden – die Bahn hat auf Ferien-Fahrplan umgestellt und wir können sie bei der Ferienbetreuung nicht pünktlich abholen. Woraufhin sie sich tapfer bereit erklärt, das mal zu probieren.

Am Morgen zieht sie los, bewaffnet mit einem riesigen Zettel mit genauer Beschreibung, verschiedenen Abfahrtszeiten, Stadtbahn-Nummern und -zielen, Telefonnummern, Handy und der strikten Order, sich vor und nach der kleinen Bahnreise zu melden. Was sie auch brav tut und mir – weil gerade abwesend – auf die Mailbox spricht. Ich erwische sie zehn Minuten später auf ihrem Mobilfon für Notfälle. Da sitzt sie schon quietschvergnügt an der Zwischenhaltestelle, ist ein bisschen stolz und hat alles voll im Griff.

Doch dann senkt sie die Stimme, legt ein paar Bedenken rein und sagt: „Aber Du, miss k?“ – „Ja?“ – „Weißt Du, ich hab das Ticket vergessen.“

Das zehnjährige Kind und ich unterhalten uns im Schwimmbad über ein optisch ungleiches, am Beckenrand heftig knutschendes Pärchen. Sie wiegt ungefähr dreimal so viel wie er. Das Kind findet: Passt nicht. Ich versuche, eine Lanze zu brechen: „Vielleicht passt es aber sonst ganz wunderbar, weißt Du? Ich vermute, die denken ähnlich, finden die selben Dinge gut, haben den gleichen Humor und so.“

Das Kind denkt kurz nach, wägt die Wahrscheinlichkeiten ab und sagt dann: „Na gut. Dann muss sie aber unten liegen.“

Vorsicht, Hass.

Veröffentlicht: 6. Mai 2013 in Das Leben im Allgemeinen
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Vor etwa drei Wochen ist mir jemand erst in mein geparktes Auto und dann weitergefahren, als sei nix passiert. Kotflügel und Stoßstange sind verkratzt und weisen leichte Dellen auf. Zum Glück meldete sich bei mir eine Zeugin, die alles beobachtet, das Kennzeichen notiert und mich informiert hat. Ein Engel! Das ist das vierte Mal, dass mir jemand geparkterweise Teile meines Autos beschädigt und sich keinen Deut darum schert und jedesmal bin ich auf den Kosten sitzengeblieben. Nur, weil irgendein verdammtes Arschloch (m/w) nicht den Anstand hat, zu sagen: „Das tut mir leid, Entschuldigung. Ich melde das meiner Versicherung.“

Aber diesmal dachte ich, sei das kein Problem. Die Polizei kam, nahm alles auf. Vergangene Woche fing ich an, mich zu wundern, warum weiter nichts passiert. Ich rief das Polizeirevier an, wurde an die Unfallermittlungsstelle weiterverwiesen und dort zur Sachbearbeiterin. Besser gesagt: zu ihrem Anrufbeantworter.

Gerade rief sie zurück. der Fall sei längst abgeschlossen, das Arschloch (m/w) habe leider keine sichtbaren Schäden am Auto. Aha, und eine feinere Analyse als Augenmaß gibt es nicht? Nein, dafür habe die Polizei schon lange kein Geld mehr. Sie verstehe, dass das unbefriedigend sei. (STIMMT!) Und warum ich nun der Polizei hinterhertelefonieren muss, wenn der Fall längst bei den Akten liegt? Darauf Folgendes:  Sie habe mehrfach versucht, mich zu erreichen – leider vergeblich. Wo genau, das weiß sie leider nicht mehr, das ist nun wirklich zu lange her. (Anmerkung: Ich habe sowohl zuhause als auch auf dem Handy weder verpasste Anrufe noch Nachrichten auf dem AB gehabt.) Spätestens dann, interveniere ich, wäre es an der Zeit für eine schriftliche Benachrichtigung. Nein, entgegnet die Freundin und Helferin, schriftlich nur bei positivem Ergebnis. Bei einem negativem Ergebnis wie bei mir wird telefonisch informiert. Und wenn ich mehrfach nicht erreichbar bin, dann kann sie also wirklich nicht, weil sie müsste ja dann viel zu viele Fälle auf Halde – das geht nicht.

Ich bin STINKSAUER! Auf diese unwürdige Informationspolitik in einer Behörde, die sonst jeden Fliegenschiss schriflich haben will. Und auf alle feigen Arschlöcher, die sich einen Dreck um Schäden scheren, die sie verursachen und andere einfach auf den Kosten sitzen lassen. Ihr seid zum Kotzen.