Archiv für die Kategorie ‘Family & Friends’

Das voll digitale Kind.

Veröffentlicht: 6. August 2015 in Family & Friends
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 Es ist ein Klassiker: Das Kind schläft auf den letzten Kilometern vor dem Urlaubsziel endlich ein. Rausreißen? Nein. Ich beschließe, sie im Auto vor dem Wohnzimmerfenster der Ferienwohnung sitzen zu lassen, mit Babyfon-App auf dem (gesperrten) Smartphone. Da habe ich sie im Blick. Von dort aus tut sich: nix. Weil ich der App aber nicht ganz traue, schaue ich eine Viertelstunde später mal kurz am Autofenster vorbei. Und sehe: Ein ausgesprochen waches Kind, das mir mit einem fröhlichen „Ändi!“ mein Smartphone entgegenstreckt. Sie hat alle ausgehenden Anrufe blockiert, außerdem den Nicht-stören-Modus aktiviert und zwölf Fotos geschossen.

(Ich bin so stolz auf sie.)

Mein Brautkleid bleibt mein Brautkleid.

Veröffentlicht: 18. Februar 2014 in Family & Friends
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„Es tut mir leid, Sie müssen das Kleid jetzt wieder ausziehen.“ BITTE?!?
„Gerade kam eine Kundin, die ist extra wegen dieses Modells da.“ petticoat

Da stehe ich also. Der Mann und die beste Freundin schauen völlig hingerissen. Ich trage ein traumhaftes Brautkleid, es ist das erste, das ich überhaupt anhabe und das einzige, das ich in diesem Laden anprobiere. Er ist wunderhübsch und ich fahre schon lange täglich mit der Bahn daran vorbei, aber er wird schließen und es sind nur noch ein paar wenige Brautkleider da. Das hier habe ich zielsicher rausgegriffen, es hat mich sofort begeistert. Die anderen sind nicht mein Fall. Aber kann ich ernsthaft das allererste Kleid kaufen, in das ich reinschlüpfe? I mean, really? Und was ist mit den geplanten Besuch etwa dreier Brautstudios und dem Posing in mindestens 20 Kleidern bei Prosecco? Ich will ja nur ein einziges Mal heiraten, das muss ich sowas doch voll auskosten!

Ich regle das über den Preis, denke ich mir. Das Kleid ist bestimmt auch mit Räumungsverkaufrabatt so teuer, dass ich es nicht innerhalb von zehn Minuten kaufen werde. Im Grunde genommen habe ich noch nicht mal die, denn die Verkäuferin lässt mich das Kleid keine Sekunde lang reservieren – es ist eben Räumungsverkauf. „Was kostet es?“ frage ich also. „400 Euro“ kommt die Antwort, mir rutscht das Herz Richtung Reifrock. Ich schiele selbst aufs Schild. Heruntergesetzt von 980 Euro. Mist.

Ich ziehe das Prachstück erst mal wieder aus und schaue zu, wie es weggetragen wird. Ratlose Beratung mit den mitgebrachten Beratern. Was jetzt? Geht das? Einfach kaufen? Loslassen? Auch andere Brautläden haben schöne Brautkleider? Ja. Aber! Da kommt noch mal die Verkäuferin. „Wissen Sie“, strahlt sie, „das Kleid passt total gut zu der anderen Kundin, denn es heißt ‚Katrin‘ – und die Kundin heißt auch Katrin!“ Sensationell. Mit einem trockenen „Ich auch“ bringe ich die Dame erst mal zum verblüfften Schweigen. Noch mal Rücksprache. Noch mal die im Kleid geschossenen Fotos anschauen. Und der Mann sagt: „Weißt Du. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Du in irgendeinem anderen Kleid noch schöner aussiehst.“

Meins.

Böser, böser Unterzucker.

Veröffentlicht: 17. Februar 2014 in Family & Friends

Von meiner Schwangerschaftsdiabetes blieb zum Glück nicht viel übrig. Nur so viel:Wenn das 11-jährige und voll versierte Großkind bereits einen riesigen Teller Pasta oder Ähnliches verputzt hat, aber unbedingt noch was Süßes hinterher haben will, kommt es mit sinnierendem Blick auf mich zu und raunt bedeutungsvoll „Ich glaube, ich bin total unterzuckert.“

Lineniennetzplan

Lineniennetzplan

Gemäß ärztlicher Anweisung wäre ich heute morgen besser mit dem Auto zum Pflichttermin gefahren. Weil aber Parkplatzsituation am Ziel miserabel und Haltestelle direkt daneben sind, nahm ich den öffentlichen Nahverkehr. Auf der Hinfahrt klappte das prima.

Auf der Rückfahrt setzte ich mich versehentlich zunächst in die falsche Bahn. Also wieder aussteigen und umplanen. Ich wartete etwa zehn Minuten, bis die richtige Bahn einfuhr – und zwar am gegenüberliegenden Bahnsteig. Also ging ich rüber, wartete weitere sieben Minuten, stieg ein. Zwei Haltestellen später war Umsteigen angesagt. Ich vergaß aber, auszusteigen. Also nächste raus, wieder in die Gegenrichtung gefahren, diesmal richtig ausgestiegen. Und am nächsten Bahnsteig richtig eingestiegen, in eine der beiden Linien, die mich sonst bis nach Hause bringen. Zwei Stationen vor meiner Haltestelle war allerdings unerwartet Endstation: Um diese Uhrzeit fährt die zweite Linie eine kürzere Route. Also noch mal neuen Bahnsteig aufgesucht, neun Minuten gewartet … und schon in nur etwa 40 statt 15 Minuten zu Hause gewesen.

Das ist offenbar nicht nur nicht mein Tag, sondern auch schon nicht meine gesamte Woche.

(Die Schwester übrigens, mit der ich während der Fahrt per Whatsapp verbunden war, kommentierte nur trocken: „Gib Bescheid, wenn ich dich in München abholen soll.“)

Die etwas jüngere Sicht der Dinge.

Veröffentlicht: 22. Mai 2013 in Family & Friends
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Wir liegen frühmorgens im Bett, das zehnjährige Kind des Mannes und ich, der Wecker hat gerade geklingelt und wir gönnen uns noch ein paar Minuten. Das Minidings in mir macht nämlich Turnübungen, das sieht lustig aus. Da fängt das Kind an zu sinnieren, wie viele kleinere Geschwister denn da noch rauskommen könnten. Ich versuche, sanft zu bremsen: Jetzt erst mal das eine.

„Hey“, schlägt das Kind vor, „Ihr könnt ja noch eins kriegen, wenn ich aus dem Haus bin!“ – „Öhm, ja, also, nein, glaub‘ nicht“, sage ich. „Wenn ein zweites gemeinsames, dann wohl eher schnell.“ – „Stimmt!“, kommt lachend die Zustimmung. „Bis ich ausm Haus bin, da ist Papa so alt, da haste auch keinen Bock mehr.“

 

Die kleine groß Zehnjährige des Mannes muss heute zum ersten Mal beim Bahnfahren umsteigen. Was ihr bislang alleine gedanklich enorme Bauchschmerzen bereitet hat, aber diesmal lässt es sich nicht vermeiden – die Bahn hat auf Ferien-Fahrplan umgestellt und wir können sie bei der Ferienbetreuung nicht pünktlich abholen. Woraufhin sie sich tapfer bereit erklärt, das mal zu probieren.

Am Morgen zieht sie los, bewaffnet mit einem riesigen Zettel mit genauer Beschreibung, verschiedenen Abfahrtszeiten, Stadtbahn-Nummern und -zielen, Telefonnummern, Handy und der strikten Order, sich vor und nach der kleinen Bahnreise zu melden. Was sie auch brav tut und mir – weil gerade abwesend – auf die Mailbox spricht. Ich erwische sie zehn Minuten später auf ihrem Mobilfon für Notfälle. Da sitzt sie schon quietschvergnügt an der Zwischenhaltestelle, ist ein bisschen stolz und hat alles voll im Griff.

Doch dann senkt sie die Stimme, legt ein paar Bedenken rein und sagt: „Aber Du, miss k?“ – „Ja?“ – „Weißt Du, ich hab das Ticket vergessen.“

Das zehnjährige Kind und ich unterhalten uns im Schwimmbad über ein optisch ungleiches, am Beckenrand heftig knutschendes Pärchen. Sie wiegt ungefähr dreimal so viel wie er. Das Kind findet: Passt nicht. Ich versuche, eine Lanze zu brechen: „Vielleicht passt es aber sonst ganz wunderbar, weißt Du? Ich vermute, die denken ähnlich, finden die selben Dinge gut, haben den gleichen Humor und so.“

Das Kind denkt kurz nach, wägt die Wahrscheinlichkeiten ab und sagt dann: „Na gut. Dann muss sie aber unten liegen.“