Archiv für die Kategorie ‘Travel’

Eine Seinefahrt, die ist lustig.

Veröffentlicht: 28. August 2012 in Travel
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Und wenn man so auf der Seine herumschippert, immer irgendwie auf Kollisionskurs mit den Hunderten anderer Touristenboote, kommt es vor, dass den jungen Franzosen am Ufer die laue Sommernacht zu Kopf steigt und dann tun sie durchaus lustige Dinge. Übrigens inklusive einer vorher einstudierten Tanz-Choregrafie. Das hier war nur das grande finale. 😀

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Nicht mehr ganz frisch, aber immer noch glücklichst verliebt und gemeinsam in Paris – da gehört ein Vorhängeschloss an einer der Seine-Brücken zum süßen Pflichtprogramm. Wir fanden die Idee schön, so richtig begeistert aber war das neunjährige Kind in unserer Begleitung. Erste Enttäuschung gab es bei der Auswahl des Schlosses. Das Kind verlangte nach der klassisch mattgoldenen Variante mit Schlüssel zum In-die-Seine-Werfen. Der Mann und ich fanden das poppig bunte Zahlenschloss mit Platz für den Jahrestag besser. Zum Glück nichts, was ein Eis am Ufer nicht wieder ausgleichen konnte. Der Mann programmierte den gewünschten Zahlencode und gravierte mit der Spitze seines Taschenmessers unsere drei Namen in das Schloss.

Nachdem das Kind auf der Pont des Arts einen adäquaten Platz ausgesucht hatte, stellten wir allerdings fest: Bei der Programmierung war wohl etwas schief gegangen. Das Schloss ließ sich nicht schließen. Der Mann probierte, ich probierte, derweil hüpfte das Kind um uns herum und quengelte „Papa, Papa, lass mich mal!“ – „Nein, wir machen das jetzt.“ – „Aber Papa, ich kann das, lass mich auch mal!“ Irgendwann gaben wir auf und das Schloss dem Kind. Es dauerte genau 30 Sekunden, da machte es Klick und das Kind verkündete freudestrahlend „Guckt mal, ich hab’s zugekriegt!“ Schade, dass es zu dem Zeitpunkt nicht am Geländer hing, denn: Jetzt ging das Schloss nicht mehr auf. Wir probierten die ersten Zahlenkombinationen systematisch von 000 bis 250 durch – erfolglos. Der Mann übte sich als Auslöser dieser Pleite in Selbstkasteiung, ich lachte und schlussendlich entschieden wir, das Schloss zu Hause ins Regal zu stellen. Hat ja auch nicht jeder.

Wir hatten die Rechnung allerdings ohne das Kind gemacht. Auf dem Weg zur geplanten Seine-Rundfahrt flossen erst heiße Tränen, dann verlangte es das Schloss und schlurfte fortan mit gesenktem Kopf und fliegenden Fingern schniefend neben uns her. Drei Souvenirläden später konnte ich das Elend nicht mehr mit ansehen und ging hinein, um ein neues Schloss zu kaufen, mattgolden und mit Schlüssel. Als ich an der Kasse stand, ein Jubelschrei: „Jaaaaaaaaaa, ich hab’s, ich hab’s, ich hab’s geschafft!“ Schloss offen, ich baff, Papa irgendwo zwischen beschämt und stolz, Kind unbändig glücklich. Nach der Seine-Tour, inzwischen war’s tiefnacht, gingen wir zurück zur Pont des Arts und vollendeten den Plan.

So haben wir jetzt ein Schloss in Paris. Und ein Kind, das ebenso stolz wie froh ist.

Ich Schauinsland.

Veröffentlicht: 25. November 2011 in Travel
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Was mir gerade einfällt.

Veröffentlicht: 24. November 2011 in Travel
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In Wellington ist es jetzt halb zwölf Uhr mittags und mir blieben noch etwa acht Stunden, um mich im Te-Papa-Museum herumzutreiben, ein bisschen über den Victoria Hill zu spazieren und mit den quietschbunten Punkten auf der ansonsten klassizistischen Stadtgalerie Hypnose zu spielen, bevor ich mich für Spare Ribs und Bier in die Mac’s Brewery begebe, das Kaminfeuer im Rücken und die Wellen entlang der Mole fest im Blick.

Ach ja.

Morgens riechst Du an dieser einen Stelle ziemlich penetrant nach Pisse, aber ich habe gelernt damit umzugehen. Es ist nun mal der kürzeste Weg zur Arbeit und hey, um diese Uhrzeit hat mein Langschläferherz keine Sekunde zu verlieren. Abends nehme ich dafür nicht die Hintertreppe zur Bahn, sondern den Weg durch die Haupthalle. Vorbei an fettiger Überbackenekäsestangenluft, dem scharf gewürzten Cous-Cous, den Crêpes, die auch immer ein bisschen verbrannt riechen. Und ganz egal, wo ich bin, alle paar Meter mischen sich Döner und Falafel darunter. Knoblauch in rauen Mengen, auch gerne mal frühmorgens an ausnehmend schönen Menschen. Was die Schönheit ein wenig relativiert.

Und Du riechst nach Macht. Nach leerem Blabla und Profilierungssucht. Nach linker Szene am Oranienburger Tor. Multikulti in Kreuzberg. Jugendliche Prügler am Bahnhof Friedrichstraße, wo ich etwa dreimal täglich bin und wo ich gerne hoffen möchte, dass ich auf die eine oder andere, auf jeden Fall aber wirkungsvolle Weise eingeschritten wäre. Nach Touristenbooten entlang der Spree, mit und ohne Büffet. Nach täglich zwei Handvoll Bettlern, schlechtem Gewissen und parallel immer mindestens drei Straßenzeitungen als Klolektüre. Nach dem Akkordeonspieler in der Bahn, der zwar nervt, aber immerhin versucht, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Nach gruseligen U-Bahn-Begegnungen mit der Vergangenheit.

Und sonst so? Wilde Träumereien. Entengrütze. Joghurteis. Du riechst nach Sonne in der Hängematte, während der Espresso auf der Herdplatte blubbert. Nach lauer Frühlingsnacht, durchküsst bis Morgengrauen. Nach Rotwein und Pfefferminzschnaps in der Margarethe F. Nach Buttercreme-Cupcakes und Prosecco-Himbeeren mit Fräulein Sorglos. Nach Leben ohne Schlaf. Kurz gesagt: Du riechst nach mehr.

NewZ XVII. Stille zum Jahreswechsel.

Veröffentlicht: 31. Dezember 2010 in Travel
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Bei Sonnenschein, so sagt man in Neuseeland, sind die Sounds wunderschön. Bei Regen aber werden sie zur Offenbarung. Dann stürzen sich statt sonst drei um die dreihundert Wasserfälle die steilen Felsen hinunter. Insofern haben wir an diesem Silvestermorgen Glück. In Wolken fliegen tief, in der Luft hängt Feuchtigkeit. Der Bug des Katamarans gleitet durch das fast schwarze Wasser. Aus dem Nebel vor uns tauchen immer neue Hügel in den verschiedensten Schattierungen von Grau hervor. Nach und nach offenbaren sie ihr gedecktes Grün, von den Bäumen, die sich dicht an dicht an den nackten Steilhängen festkrallen.

Gegen Ende der Fahrt meldet sich der Käpt’n. Er würde gleich die Maschinen stoppen und bitte jeden Einzelnen, sich bis dahin einen festen Platz zu suchen und dort zu bleiben. Ohne zu sprechen, ohne zu fotografieren. Und dann passiert in einem Seitenarm des Sounds ein Wunder der Stille: Wir treiben mehrere Minuten mucksmäuschenstill über die spiegelglatte, graue Wasseroberfläche, auf der ein paar letzte Tropfen Kreise ziehen. Von den Wasserfällen rundherum untermalt ein sanftes, gleichmäßiges Rauschen die Szenerie. Es ist erhebend.

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NewZ XVI. Arschglühen.

Veröffentlicht: 29. Dezember 2010 in Travel
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Über dem Lake Te Anau türmt sich eine dunkle Wolkendecke, unterbrochen von einzelnen Sonnenstrahlbündeln. Der Weg zu den Glowworm Caves führt nur über den See. Der Wind weht so stark, dass wir uns auf dem Katamaran mit beiden Händen an der Reling festhalten müssen. Nach dem Aussteigen kämpfen wir mit Hör- und Gleichgewichtsstörungen.

In der Höhle ist es laut. Das saure Wasser frisst sich seit 35 Millionen Jahren seinen Weg durch das  riesige Höhlensystem aus Kalkstein, es gurgelt um uns herum und stürzt sich in dunkle Tiefen. Je weiter wir hineinkommen, desto stiller wird es, bis wir schließlich mit dem Boot in eine Kaverne gelangen. Sie ist zappenduster, aber an den Wänden glühen Zehntausende winziger Leuchtdioden. Weißblaues, kaltes Licht, powered by Glühwürmchen-Larven. Sie hängen bis zur Verpuppung neun Monate lang an den Wänden und fressen, was reingeht. Dazu sondern sie bis zu 20cm lange Schleimfäden ab. Sobald sich ein Insekt darin verheddert, wird es hochgezogen und verdaut. Je hungriger die Larve ist, desto heller leuchtet sie – oder um genau zu sein: ihr Verdauungstrakt. Faktisch glüht beim Glühwürmchen also nur der Arsch.

Wir sind restlos fasziniert: Dunkle Stille, Abertausende glühender Zauberwürmchen. Insgesamt könnte dieser Ausflug höchst romantisch sein. Wenn man nur wüsste, ob die Tropfen, die gelegentlich von der Decke fallen, nur Wasser sind oder ob im Gesicht gerade ein abgestürztes Glühwürmchen notlandet.