Schweiß, Schweiß, Baby.

Veröffentlicht: 20. Juni 2013 in Das Leben im Allgemeinen
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Jaja, wir haben uns den Sommer hergewünscht wie sonst was, den Regen verflucht, die Kälte abgrundtief verachtet. Dass die Hitze ausgerechnet ankommt, wenn ich erst zwölf Tage im Klinikbett liege und nun bei knapp 40 Grad ohne Ventilator in einer Dachwohnung ausharren muss, ist das schlechteste Timing aller Zeiten. Zum Glück bin ich hier nicht die einzige kurz vor Hitzeschlag. Und bei genauer Betrachtung kann ich mich glücklich schätzen, denn ich habe von uns dreien mit Abstand am wenigsten Fell.

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Stimmen zur Ernährung bei Schwangerschaftsdiabetes

Hebamme 1
Äpfel sind nicht so gut, lieber Bananen.

Hebamme 2
Bananen unbedingt vermeiden, hoher BE-Wert. Lieber Äpfel. Müsli ist prima, Vollkorn auch.

Diätassistentin
Müsli geht in kleinen Mengen, statt Milch lieber Naturjoghurt oder Quark nehmen, Eiweiß- statt Vollkornbrot, auf keinen Fall Bananen, keine Diätprodukte, keine Rosinen.

Gynäkologin
Kein Zucker, am besten auch kein Fett, wenig Kohlenhydrate, keine Säfte, allerhöchstens zwei Portionen Obst am Tag, Erdbeeren nicht so toll, Vollkorn nur gemahlen, maximal 1/4 Liter Milch, dafür viel Gemüse und Salat. Auf meine Rückfrage, wovon ich denn satt werden solle, zuckte sie die Schultern.

Diätologin
Bloß keinen Naturjoghurt sondern Quark, Vollkorn gerne auch in ganzen Körnern, mindestens zweimal Obst am Tag, besser Äpfel als Bananen, Erd- und andere Beeren auch prima, Vollkornbrot ist gut, wenn nötig ein bisschen dunkle Schokolade, bewusst fetthaltige Lebensmittel wählen, weil Fett die Aufnahme von Kohlenhydraten blockiert und damit verhindert, dass der Blutzuckerspiegel explodiert. Daher zum Beispiel, wenn Eis, dann lieber ein Milchspeiseeis ohne Waffel statt Wassereis und wenn Kuchen, dann lieber Schwarzwälder Kirsch als Obstkuchen – es sei denn, es kommt Sahne obendrauf.

So wie’s aussieht, darf ich also alles.

Lineniennetzplan

Lineniennetzplan

Gemäß ärztlicher Anweisung wäre ich heute morgen besser mit dem Auto zum Pflichttermin gefahren. Weil aber Parkplatzsituation am Ziel miserabel und Haltestelle direkt daneben sind, nahm ich den öffentlichen Nahverkehr. Auf der Hinfahrt klappte das prima.

Auf der Rückfahrt setzte ich mich versehentlich zunächst in die falsche Bahn. Also wieder aussteigen und umplanen. Ich wartete etwa zehn Minuten, bis die richtige Bahn einfuhr – und zwar am gegenüberliegenden Bahnsteig. Also ging ich rüber, wartete weitere sieben Minuten, stieg ein. Zwei Haltestellen später war Umsteigen angesagt. Ich vergaß aber, auszusteigen. Also nächste raus, wieder in die Gegenrichtung gefahren, diesmal richtig ausgestiegen. Und am nächsten Bahnsteig richtig eingestiegen, in eine der beiden Linien, die mich sonst bis nach Hause bringen. Zwei Stationen vor meiner Haltestelle war allerdings unerwartet Endstation: Um diese Uhrzeit fährt die zweite Linie eine kürzere Route. Also noch mal neuen Bahnsteig aufgesucht, neun Minuten gewartet … und schon in nur etwa 40 statt 15 Minuten zu Hause gewesen.

Das ist offenbar nicht nur nicht mein Tag, sondern auch schon nicht meine gesamte Woche.

(Die Schwester übrigens, mit der ich während der Fahrt per Whatsapp verbunden war, kommentierte nur trocken: „Gib Bescheid, wenn ich dich in München abholen soll.“)

Eine erste, kleine Blutung im April, eine Woche Rumliegen, dann Schongang.
Als nächstes eine gelockerte Symphyse, die jeden einzelnen Schritt zur Herausforderung macht.
Dann eine massive Blutung, wegen der ich heute den zehnten Tag im Krankenhausbett verbringe und von Glück reden kann, dass ich inzwischen wenigstens auf Toilette darf und nicht mehr vor Augen und/oder Ohren von zwei Mitpatientinnen die Bettpfanne benutzen muss. Ende derzeit nicht absehbar.
Und weil das alles noch nicht reicht, wurde heute eine Schwangerschaftsdiabetes festgestellt.

Ich habe den Hals so voll, ich kann’s gar nicht ausdrücken.

Die etwas jüngere Sicht der Dinge.

Veröffentlicht: 22. Mai 2013 in Family & Friends
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Wir liegen frühmorgens im Bett, das zehnjährige Kind des Mannes und ich, der Wecker hat gerade geklingelt und wir gönnen uns noch ein paar Minuten. Das Minidings in mir macht nämlich Turnübungen, das sieht lustig aus. Da fängt das Kind an zu sinnieren, wie viele kleinere Geschwister denn da noch rauskommen könnten. Ich versuche, sanft zu bremsen: Jetzt erst mal das eine.

„Hey“, schlägt das Kind vor, „Ihr könnt ja noch eins kriegen, wenn ich aus dem Haus bin!“ – „Öhm, ja, also, nein, glaub‘ nicht“, sage ich. „Wenn ein zweites gemeinsames, dann wohl eher schnell.“ – „Stimmt!“, kommt lachend die Zustimmung. „Bis ich ausm Haus bin, da ist Papa so alt, da haste auch keinen Bock mehr.“

 

Die kleine groß Zehnjährige des Mannes muss heute zum ersten Mal beim Bahnfahren umsteigen. Was ihr bislang alleine gedanklich enorme Bauchschmerzen bereitet hat, aber diesmal lässt es sich nicht vermeiden – die Bahn hat auf Ferien-Fahrplan umgestellt und wir können sie bei der Ferienbetreuung nicht pünktlich abholen. Woraufhin sie sich tapfer bereit erklärt, das mal zu probieren.

Am Morgen zieht sie los, bewaffnet mit einem riesigen Zettel mit genauer Beschreibung, verschiedenen Abfahrtszeiten, Stadtbahn-Nummern und -zielen, Telefonnummern, Handy und der strikten Order, sich vor und nach der kleinen Bahnreise zu melden. Was sie auch brav tut und mir – weil gerade abwesend – auf die Mailbox spricht. Ich erwische sie zehn Minuten später auf ihrem Mobilfon für Notfälle. Da sitzt sie schon quietschvergnügt an der Zwischenhaltestelle, ist ein bisschen stolz und hat alles voll im Griff.

Doch dann senkt sie die Stimme, legt ein paar Bedenken rein und sagt: „Aber Du, miss k?“ – „Ja?“ – „Weißt Du, ich hab das Ticket vergessen.“

Das zehnjährige Kind und ich unterhalten uns im Schwimmbad über ein optisch ungleiches, am Beckenrand heftig knutschendes Pärchen. Sie wiegt ungefähr dreimal so viel wie er. Das Kind findet: Passt nicht. Ich versuche, eine Lanze zu brechen: „Vielleicht passt es aber sonst ganz wunderbar, weißt Du? Ich vermute, die denken ähnlich, finden die selben Dinge gut, haben den gleichen Humor und so.“

Das Kind denkt kurz nach, wägt die Wahrscheinlichkeiten ab und sagt dann: „Na gut. Dann muss sie aber unten liegen.“