Mit ‘Baden-Baden’ getaggte Beiträge

Zufallsbegegnung.

Veröffentlicht: 20. Mai 2011 in Job
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„Möchten Sie meine Zufallsbegegnung sein?“, frage ich den älteren Herrn im Park. Seine Augen versinken gerade in einem Schneeflockenbaum. „Ach, wissen Sie“, lächelt er mich an, „ich bin schon mein ganzes Leben eine Zufallsbegegnung.“ „Aber das passt doch hervorragend“, schmunzle ich zurück. „Ich würde Sie gerne mit meiner Videokamera ein Stück begleiten und mit Ihnen plaudern.“

Und das tun wir. Er hat ein ziemlich strammes Tempo drauf, was mir normalerweise nichts ausmachen würde. In diesem Fall aber laufe ich rückwärts vor ihm her. Die Videokamera klebt an seinem wunderbar runzeligen Gesicht und kommt gar nicht mehr los. 23 Minuten dauert es, bis ich zum ersten Mal auf „Pause“ drücke, und in diesen 23 Minuten nimmt er mich mit in seine Kindheit in Baden-Baden. Entlang der Oos, aus der er mit seinem Bruder Kaulquappen und Blutegel gefischt hat. Oder in der die beiden Jungs eines Winters buchstäblich abgesoffen sind beim Versuch, auf einer Eisscholle herumzuturnen. Zu Hause schlichen sie sich zum Trocknen klammheimlich in den Heizungskeller – bis die Nachbarin sie dort entdeckte. Im Herbst brauchte er („Das war der schönste Schulweg meines Lebens“) doppelt so lange nach Hause, weil er das Kastanienlaub mit dem Fuß so gerne zu riesigen Haufen zusammenschob. Und sobald es Sommer wurde, fuhr er mit dem Fahrrad am liebsten in die Gönner-Anlage, Schulzeug dabei, aber Konzentration? Keine Spur: „Es war immer viel zu schön um zu lernen.“

Kein Zweifel: Ein Zufall der schönsten Art.

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Feindesland Baden.

Veröffentlicht: 18. Mai 2010 in Das Leben im Allgemeinen
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Eigentlich sollte es ja schon damit genug sein, dass man als überzeugter Schwabe aus der Ländleshauptstadt nach Baden-Baden muss, ausgerechnet. Die Stadt, die das traditionelle Feindbild gleich doppelt im Namen trägt. Aber nein, dazu kommen auch noch die Kollegen, allesamt Gelbfüßler, die – wenn nötig – die ganze Nacht lang über Schwaben herziehen können. Wohl dem, der das Badenzerlied mit gehässigem Unterton pfeifen kann. Ha!

Aber ansonsten ist Baden-Baden ganz nett, seit es aufgehört hat zu regnen. Bin heute mal probehalber vom Fremersberg herabgestiegen, vorbei an den ganzen Villen mit den teils kyrillischen Namensschildern, entlang prachtvoll bunter Gärten, verzierten Gartentoren, runter zum Oosbach, der beschaulich durch die Stadt plätschert. Brückchen. Blümchen. Noch ’n Brückchen. Noch mehr Blümchen. Schwer idyllisch. War dann direkt froh, als ich auf einer lauschigen Parkbank drei Kerle fand, die mit Kippen, Bier und Ghetto-Blaster fröhlich in der Sonne saßen. Aber vermutlich waren auch das nur drei Milliardäre, die einfach mal inkognito ihren Spaß haben wollten…

Beep, beep, beeeeeep. Die Nachrichten.

Veröffentlicht: 16. Mai 2010 in Job
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Erste Woche Auswärtsspiel, in der Nachrichtenredaktion. Sonntagabends eingetroffen, leeres Zimmer, kein Radio, kein TV, kein Internet. Mediale Krise. Man ist ja mittlerweile so abhängig. Dann: Kein Bettzeug. Man ist ja mittlerweile so abhängig.

Montag: Klasse Kollegen. Werde sofort integriert. Ex-Affäre bringt Bettzeug. Leiste ein klitzekleines bisschen Abbitte. Und sonst so? Ganz schön anspruchsvoll, aus der Fülle der Meldungen zielsicher die Mischung für die verschiedenen Zielgruppen herauszulesen.

Dienstag: Entspannte Spätschicht mit lustigen Kollegen. Darf mit einem kurzen Aufsager endlich mal wieder vors Mikrofon. Nachrichtenlage mehr als übersichtlich, daher spontane Kurz-Hospitanz im Sendestudio. Voll verplaudert. Moderator vergisst, Jingle abzufahren.

Mittwoch: Volontärs-Kollegin ist jetzt ebenfalls da. Nutzen die Gelegenheit und gehen nach der Spätschicht noch was trinken. Navi führt uns von ihrer zentral gelegenen Wohnung etwa vier Kilometer bis zur gewählten Lokalität. Suchen ewig nach einem Parkplatz. Stellen am nächsten Tag zufällig fest, dass es zu Fuß nur 100 Meter gewesen wären. Gackern uns halbtot.

Donnerstag: Nachtschicht. Verschlafe sicherheitshalber den größten Teil des Tages, nutze den Nachmittag für ein ausgiebiges Frühstück im Leo’s. Trinke nachts literweise Kaffee.

Freitag: Um halb sechs Uhr kühle Morgenluft an ohrenbetäubendem Vogelgezwitscher. Werfe ausreichend Zeug fürs Wochenende ins Auto. Sieben Uhr, home sweet home. Heiß duschen. Bett und Decke schmiegen sich sehr vertraut an fast jeden Zentimeter Haut. Schlafe lächelnd ein.

Wochenende: Verflogen. Sachen sind gepackt, Bettzeug diesmal auch dabei. Gleich geht’s wieder los, zu den Nachrichten. Freu mich schon ein bisschen. 🙂