Mit ‘Emanzipation’ getaggte Beiträge

Vor drei Tagen macht es pling und der Nachrichtenticker spuckte eine neue Meldung aus: Belgiens Frauen seien zu einem Sex-Streik aufgerufen, um die dahindümpelnde politische Krise im Land zu beenden. Die Idee kam von Senatorin Marleen Temmerman und war, wie sie eilig nachgeschoben hat, nicht ganz ernst gemeint. „Wir haben uns gefragt, was die Frauen tun können“, erläuterte die Parlamentarierin ihren Vorschlag dennoch – und erntet nach eigener Aussage viel Zuspruch.

Irgendwann möchte ich mal sagen können, dass mich solche Einwürfe langweilen. Das würde nämlich bedeuten, dass sie emanzipationspolitisch nicht mehr relevant wären. Derzeit muss ich mich leider noch darüber aufregen. Das Beispiel zeigt einmal mehr, wie archaisch das Bild der Frau in der Gesellschaft nach wie vor ist, aller stolz vor sich hergetragenen Emanzipation zum Trotz. Dem echten, inneren Feminismus ist doch irgendwo unterwegs die Puste ausgegangen.

Das Perfide daran ist, dass derartige Äußerungen in aller Regel von Frauen postuliert werden – und die dürfen das auch noch weitgehend ungestraft. Jeder Mann wäre für so viel Frauenverachtung längst geteert und gefedert worden. Nur wir Frauen dürfen ungehemmt weiter darauf bestehen, dass wir eigentlich in die Küche und ins Bett gehören. Auch zu sehen an den verschiedenen Standpunkten beim Thema Frauenquote. Viele Frauen lehnen die Quote vehement ab, mit dem Verweis, sie wollten aufgrund ihrer Leistung nach oben kommen. Das kann ich verstehen, so habe ich auch lange über die Quote gedacht. Nur: Gute Leistungen reichen als Frau nicht im gleichen Maße aus wie als Mann. Wir bekommen bei gleicher Leistung und Qualifikation ja oft noch nicht mal dasselbe Gehalt.

Eine Frauenquote kann in diesem Sinne eben nicht bedeuten, wie von vielen interpretiert, dass eine für den Job ungeeignete Frau eingestellt wird, nur weil sie eine Frau ist. Wir reden hier von Gleichberechtigung bei gleicher Qualifikation. Wir reden von einer Chance in einer Gesellschaft, in der Männer im Job immer noch mehr gelten. Die Frauenquote könnte den Einstieg ermöglichen. Ansonsten gilt wie immer: Wer seinen Job nicht gut macht, ist ihn – als Mann oder Frau – im Zweifel schnell wieder los. Zu Recht.

Und ja, ein Stück weit kann ich die  Argumentation nachvollziehen, dass Frauen nicht so sehr nach oben wollen wie Männer. Aber warum? Könnte durchaus damit zu tun haben, dass sich Frauen anders als Männer oft zwischen Familie und Beruf entscheiden müssen. Damit sind wir bei einer weiteren Gruppe entschiedener Gegnerinnen der Frauenquote: Die, die sagt, die Quote bringe nichts. Wir bräuchten nicht mehr Frauen in den Vorständen, sondern zunächst mal bessere Bedingungen für Mütter in Form von Teilzeitmodellen, Home-Office-Optionen und vor allem besserer Kinderbetreuung. Ja, natürlich! Aber wären weibliche Vorstände und Geschäftsführerinnen nicht der sehr viel effektivere Weg, genau das zu erreichen? Wer will sich denn da allen Ernstes auf die Politik verlassen?

Ich nicht. Und im Übrigen, Frau Temmerman, habe ich Sex, weil er Spaß macht – nicht, um meinen Mann von Wichtigerem abzuhalten. Sie hoffentlich auch.

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Frauen an den Herd.

Veröffentlicht: 23. November 2008 in Das Leben im Allgemeinen
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Heute hat’s zwischen Plätzchen backen und Schneeflocken zählen mal wieder zur Lektüre meiner geschätzten Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gereicht. Im Ressort Wissenschaft, unter dem Titel „Essen vermessen“, gibt’s einen – eigentlich – lesenswerten Artikel über die qualitative Kennzeichnung von Lebensmitteln. Spannendes Thema, spannende Sache: Wie bringe ich der breiten Masse möglichst einfach nahe, wie gut der Joghurt ist, der gerade im Einkaufswagen landet? Vor allem: Welche Kriterien sind anzulegen? Reichen Zucker, Fette, Salz, gekennzeichnet in Ampelfarben? Oder greift das System zu kurz?

Autorin Kathrin Zinkant stellt verschiedene widerstreitende Wissenschaftler und Konzepte vor, bereitet das Thema gut auf – und verliert mit ihrem letzten Absatz leider völlig meinen Respekt. Denn einer der Forscher, Michael de Vrese, weist darauf hin, dass gut und schlecht in diesem Bereich nicht trennscharf voneinander abgegrenzt werden können: Nüsse beispielsweise schneiden wegen ihres Fettgehalts eher schlecht ab, sind aber in der richtigen Menge essenziell für jeden ausgewogenen Speiseplan. Der radikale Vorschlag: Man solle „komplexe Lebensmittel, also Fertiggerichte aller Art“ (und da fällt wohl ein Fruchtjoghurt schon drunter) vermeiden und lieber alles selbst zubereiten. Schön, die eigene Arbeit so ad absurdum zu führen, aber jetzt kommt’s, im letzten Satz des Artikels:

Dem modernen Mann traut der Forscher diese Aufgabe allerdings nicht zu: ‚Vielleicht müssen wir zum alten Weltbild zurückkehren: Frauen an den Herd!‘

Bitte, wie? Ich gehe schwer davon aus, dass das als Scherz gemeint war, auch wenn er von eher mäßigem Geschmack zeugt. Es mag sein, dass Herr de Vrese noch nicht mal einen Fruchtjoghurt zubereiten kann – dann soll er es aber gefälligst lernen, anstatt seine Frau (oder gleich alle Frauen) in die Küche zu schicken. Geradezu tragisch finde ich aber, dass die Autorin diesen Scherz in einem ansonsten auch völlig ernst gehaltenen Artikel nicht mit wenigstens einem Wort kennzeichnet. Stattdessen setzt sie ihn auch noch ans Ende des Beitrags, dorthin, wo üblicherweise ein Fazit steht. Prima.

Ja natürlich, ein Scherz, über den man sich nicht weiter aufregen müsste. Aber in der Konsequenz weitergedacht transportiert er Denkmuster, die wir langsam wirklich zu den Akten legen sollten. Und gerade von einer Journalistin erwarte ich, dass sie ihn eben nicht aus dem situativen Kontext herausreißt und bedenkenlos nachplappert.