Mit ‘Familie’ getaggte Beiträge

Diese eine Stunde. 60 Minutenträume. 3600 Sekundentröpfchen. Glatt geschenkt. Und so viele Möglichkeiten, sie zu nutzen. Die Vorfreude gehört zum Schönsten, das genussvolle Ausmalen und Fantasieren, was sich damit alles anstellen lässt. Einen Brief schreiben. Die Zeitung weiterlesen statt notwendigere Dinge zu erledigen. Auf der Couch dösen. Der Musik zuhören. In die Sonne blinzeln. Den nächsten Hügel besteigen. Mehr Milchkaffee. Mehr Vor-sich-hin-Denken. In-sich-Herumlungern. Oder einfach nichts. Hauptsache, es tut gut.

Oma, die es morgens nie lange im Bett gehalten hat, hätte garantiert einen Hefezopf gebacken. Mit extra Rosinen. Denn am Nachmittag käme die Familie zum Kaffee. Und was gäb’s da Schöneres als einen Hefezopf?

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Advertisements

Happy 33.

Veröffentlicht: 17. September 2009 in Das Leben im Allgemeinen, Family & Friends
Schlagwörter:, ,

Schlecht geschlafen, mit Kopfschmerzen aufgewacht, Telefon und Internet kaputt – kaum wird man 33, geht’s auch schon bergab. Allerdings nicht lange, denn mein Geburtstag war gestern wie sonst auch ein erhebendes Erlebnis mit hohem Lächelfaktor.

Ein paar Rituale gehörten wie jedes Jahr unabdingbar dazu. Mein Vater zum Beispiel macht meist mehr Bohei um die Verpackung als um das Geschenk selbst. Zum 30.  durfte ich mir für mein neues Auto ein zusätzliches Ausstattungsdetail aussuchen. Die Verpackung: Eine armlange, grasgrün papierumwickelte Mailänder Salami mit vier Rädern dran (es folgten zahlreiche Frühstücks- und Brotzeiteinladungen im Hause K, bis das Teil endlich weg war). Gestern schenkte er mir ein sehr besonderes Glas. Die Verpackung mit Glashalter:

……

Verpackung deluxe

Jawohl, inklusive Seife, Rubbeltuch, Schwamm, Kerze  und dem Buch  „Hexe Lilli und der Pirat in der Badewanne“. Ich habe übrigens nicht nach dem tieferen Sinn des Titels gefragt.

Ein anderes Ritual betrifft das Geschenkband. Die gesamte Familie freut sich zum Geburtstag und an Weihnachten kollektiv auf den Moment, wenn ich mich nach dem Auspacken an Haaren, Hals und Kleidern mit bunten Bändern und Schleifen dekoriere und den Rest des Tages herumlaufe wie Andere zu Fasching. Es gibt legendäre Bilderserien, die an dieser Stelle allerdings zensiert werden, stattdessen zeige ich Euch die erste Schleife des Tages (weitere folgten):

Schleifchenkind

Und damit kommen wir zum dritten, dem liebsten Ritual: Ursprünglich sollte ich am 03. Oktober auf die Welt kommen. Weil meine Mom es aber nicht unterlassen konnte, auf dem elterlichen Bauernhof kräftig die Zwetschgenbäume zu schütteln, kam ich etwas früher und habe meinem Onkel (der am gleichen Tag Geburtstag hat wie ich) die Show gestohlen. Ich glaube, es war ihm ganz recht, er hat’s nicht so mit der Feierei. Seit diesem Tag gibt es jedes Jahr, komme was wolle und gehe wer will, Zwetschgenkuchen zum Geburtstag. Mit Streuseln! Das freut die ganze Familie, aber mich am allermeisten.  🙂

Mit Familienanschluss.

Veröffentlicht: 30. August 2009 in Die Liebe im Besonderen, Family & Friends
Schlagwörter:,

Kinderkriegen ist einfacher als ich es mir vorgestellt hatte. Heute war ich mit der rechten Herzenshälfte und seiner entzückenden Brut im Märchengarten des Blühenden Barocks in Ludwigsburg. Mein famoses Cousinchen war auch dabei, und als ich noch an der Kasse überlegte, wie ich diese komplizierte Konstellation nun in Eintrittskarten umwandle, sagte die Dame hinter der Scheibe: „Mama, Papa, zwei Kinder und wer noch?“

Das Herzblatt grinste, die Cousine feixte, die Kinder sahen mich an wie „Ja, worauf willste denn noch warten?“. Bis ich mich wieder zur Kasse drehte und sagte: „Äh, ja. Und noch ’ne Schülerin.“

Eigentlich hätte ich ja schon einiges zu erzählen, ich komme nur nicht dazu. Diesen Klassiker will ich Euch aber nicht vorenthalten: die Familienfeier zum 70. Geburtstag.

Wie das halt so ist, wird man sonntags zum Mittagessen in die Pampa geladen, und das Mittagessen beginnt traditionell um 11 Uhr mit Antrittspflicht. Man sollte dabei auch noch halbwegs ordentlich aussehen. Diese Umstände erfordern, dass man sich um 8 Uhr aus dem Bett quält und unter der Dusche wachregnen lässt. Für mehr als einen kurzen Espresso bleibt eh keine Zeit. Sodann lässt man sich von weiteren Familienmitgliedern in oben erwähnte Pampa kutschieren und ist kurz vor dem Ziel derart unterzuckert und außerdem dehydriert, dass man besser aus dem Fenster blickt und den Mund hält, bevor da was Falsches rausrutscht. Ankunft, Auftritt Restfamilie. Handshake, Weißt-Du-nochs, Bist-Du-schon-wieder-gewachsens und Was-machst-Du-denn-sos. Ach ja.

Die sirupgetränke Hibiskusblüte im Sektglas hebt den Blutzuckerspiegel wieder auf ein erträgliches Niveau, Glas zwei und drei allerdings verursachen ein ganz anders gelagertes Problem. Zum Glück wird irgendwann Brot serviert, die schwäbische Form des Amuse Geule. Ein knappes Pfund davon stellt das Gleichgewicht halbwegs wieder her. Man kommt dann mal dazu, sich den zugedachten Tischherrn anzuschauen. Er trägt ein weißes Hemd mit sandfarbener Weste und passender Krawatte.  Dann steht er auf und enthüllt ein kurzes, immerhin farblich passendes Höschen, weiter unten braune Budapester und darin schwarze Socken, fein säuberlich hochgezogen bis kurz unter die Wade.

Da widmet man sich doch lieber dem Gartenkräutercremesüppchen und hat anschließend einen erstklassigen Grund, die Örtlichkeiten aufzusuchen, um sich besagte Kräuter zwischen den Zähnen herauszuzupfen. Wieder zurück würde der inzwischen bereitstehende Lachsteller das  Menü wunderbar abrunden, folgten nicht noch die übliche Filet-Variation mit Gemüse, Kardoffelgradeng und selbstverfreilich handgemachten Spätzle. Mit Soß. Spätestens jetzt tauschen auch die ersten Gäste ihre Plätze. Die frisch angespülte 78-Jährige erzählt in 80 Dezibel, dass man 30 Jahre zuvor, als Zweijährige, im Rahmen eines Umzugs eine vollständig abgewickelte Rolle Klopapier in der Toilette gewaschen hat, strahlend und stolz und beide Arme bis zu den Schultern in der Schüssel.

Man flüchtet zum Nachtischbüffet und bestellt weitere schwimmende Hibiskusblüten, um den Pegel wieder anzuheben. So verfliegt der Nachmittag. Und später auf der Rückfahrt wird einem schlecht.

Seit Jahren schon habe ich ein absolutes All-Time-Weihnachtslied-Favourite: „Driving home for Christmas“ von Chris Rea. Geht nix drüber. Früher, als ich noch in Heidelberg gelebt habe, lief dieses Lied auf der weihnachtlichen Heimreise nach Stuttgart in Endlosschleife. Ich sang lauthals mit und strahlte rechts und links (na gut, meist rechts) alle anderen Autofahrer an, die dann ihrerseits nicht mehr anders konnten als zurückzugrinsen.

Seit vier Jahren dauert die Heimreise leider nur noch knapp zehn Minuten, und zweispurig ist auch nicht mehr. Was mich natürlich nicht davon abhält, den Song wenigstens einmal rauf- und dann wieder runterzududeln, mitzusingen und heller zu strahlen als unser Weihnachtsbaum. Gleich geht’s los. Und jetzt alle!

Ich wünsche Euch wundertolle Weihnachtstage! Mit schönen Gedanken und Uhren, die gefühlt langsamer ticken als sonst, mit Momenten tief verschneiter Stille und funkelnden Sternen im Herzen.