Mit ‘FAS’ getaggte Beiträge

Unter dem Titel „140 Zeichen heiße Luft“ steht auf den Medienseiten der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung heute ein fast ganzseitiger Artikel über twitternde Politiker, an dessen Ende zumindest eines klar ist: Autor Harald Staun findet Twitter in diesem Zusammenhang überflüssig. Das ist natürlich grundsätzlich in Ordnung. Was mir dabei allerdings nicht zum ersten Mal auffällt, ist die mediale Tendenz, Twitter-Gehversuche mit professionellem Hintergrund – seien es Politiker, Unternehmen oder Organisationen – mit ausgesprochen überheblichem Unterton zu behandeln.

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Twitter hat die Worte der Woche.

Veröffentlicht: 23. November 2008 in Das Leben im Allgemeinen
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Nett fand ich dann aber wiederum, dass die „Worte der Woche“ in der heutigen Ausgabe der FAS aus der Blogosphäre stammen, abgegriffen beim Microblogging-Tool Twitter. Dort schrieb Sascha Lobo, eins der Aushängeschilder der deutschen Blogosphäre, am 19. November 2008:

Erwäge die ultraantizyklische Gründung einer Hedgefonds-Tageszeitung.

Die FAS hat’s für ihre Rubrik übernommen – sehr cool, hier munteres Gezwitscher vorzufinden.

Frauen an den Herd.

Veröffentlicht: 23. November 2008 in Das Leben im Allgemeinen
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Heute hat’s zwischen Plätzchen backen und Schneeflocken zählen mal wieder zur Lektüre meiner geschätzten Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gereicht. Im Ressort Wissenschaft, unter dem Titel „Essen vermessen“, gibt’s einen – eigentlich – lesenswerten Artikel über die qualitative Kennzeichnung von Lebensmitteln. Spannendes Thema, spannende Sache: Wie bringe ich der breiten Masse möglichst einfach nahe, wie gut der Joghurt ist, der gerade im Einkaufswagen landet? Vor allem: Welche Kriterien sind anzulegen? Reichen Zucker, Fette, Salz, gekennzeichnet in Ampelfarben? Oder greift das System zu kurz?

Autorin Kathrin Zinkant stellt verschiedene widerstreitende Wissenschaftler und Konzepte vor, bereitet das Thema gut auf – und verliert mit ihrem letzten Absatz leider völlig meinen Respekt. Denn einer der Forscher, Michael de Vrese, weist darauf hin, dass gut und schlecht in diesem Bereich nicht trennscharf voneinander abgegrenzt werden können: Nüsse beispielsweise schneiden wegen ihres Fettgehalts eher schlecht ab, sind aber in der richtigen Menge essenziell für jeden ausgewogenen Speiseplan. Der radikale Vorschlag: Man solle „komplexe Lebensmittel, also Fertiggerichte aller Art“ (und da fällt wohl ein Fruchtjoghurt schon drunter) vermeiden und lieber alles selbst zubereiten. Schön, die eigene Arbeit so ad absurdum zu führen, aber jetzt kommt’s, im letzten Satz des Artikels:

Dem modernen Mann traut der Forscher diese Aufgabe allerdings nicht zu: ‚Vielleicht müssen wir zum alten Weltbild zurückkehren: Frauen an den Herd!‘

Bitte, wie? Ich gehe schwer davon aus, dass das als Scherz gemeint war, auch wenn er von eher mäßigem Geschmack zeugt. Es mag sein, dass Herr de Vrese noch nicht mal einen Fruchtjoghurt zubereiten kann – dann soll er es aber gefälligst lernen, anstatt seine Frau (oder gleich alle Frauen) in die Küche zu schicken. Geradezu tragisch finde ich aber, dass die Autorin diesen Scherz in einem ansonsten auch völlig ernst gehaltenen Artikel nicht mit wenigstens einem Wort kennzeichnet. Stattdessen setzt sie ihn auch noch ans Ende des Beitrags, dorthin, wo üblicherweise ein Fazit steht. Prima.

Ja natürlich, ein Scherz, über den man sich nicht weiter aufregen müsste. Aber in der Konsequenz weitergedacht transportiert er Denkmuster, die wir langsam wirklich zu den Akten legen sollten. Und gerade von einer Journalistin erwarte ich, dass sie ihn eben nicht aus dem situativen Kontext herausreißt und bedenkenlos nachplappert.