Mit ‘Kochkünste’ getaggte Beiträge

Falls ich jemals einmal ein italienisches Restarant eröffne, heißt es garantiert nicht Kaisertempel, da kann fünfmal ein Kaisertempel danebenstehen. Aber von innen dürfte es ruhig ein bisschen etwas von diesem Ristorante haben, das da in Eppstein auf einem Hügel steht. Der herrliche Ausblick über den Taunus ist auch nicht zu verachten. Das Highlight aber sind die Spaghetti: Sie kommen frisch abgegossen mit einem Hauch Nudelwasser, Kirschtomaten und Rucola an den Tisch und werden dann vor den Augen der Gäste in einen riesigen Parmesanlaib gegeben. Danach kratzt der Kellern mit einer Nudelkelle wild in dem Käserad herum, löst ordentlich viele angeschmolzene Brocken heraus und gibt sie zusammen mit den Spaghetti zurück in den Teller. Frisch gemahlener Pfeffer drüber. Also, mal ehrlich: Da kann sonst noch auf der Karte stehen, was will, sie bleibt einfach links liegen. Oder rechts, das ist egal. Hauptsache, der Kellner rollt bald den Parmesanlaib herbei. Buon appetito!

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Kochporno.

Veröffentlicht: 20. Juni 2010 in Das Leben im Allgemeinen
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Hunger ist der beste Grund, was Leckeres zu kochen. Ein Geburtstag ist der beste Grund, sich dafür etwas Besonderes auszudenken. Wenn ich ehrlich bin: ein sehr willkommener Grund. Denn mir fehlt leider viel zu oft die Zeit, was Tolles zu kochen. Ist ja nicht weiter schlimm, solange es fertige Maultaschen gibt. Und fertiges Pesto. 😉

Aber wenn sich dann die Gelegenheit ergibt, mit ausreichend Zeit, Muße und der richtigen Gesellschaft, kann man auch mal wieder in die Vollen gehen. Zum Beispiel so:

* Süßkartoffel-Carpaccio mit grünem Pesto und Joghurtsauce
* Seeteufel auf Tagliatelle mit Vanille und Orangen-Rosmarin-Tomaten
* Vanillecreme mit gepfeffertem Sauerkirsch-Karamell
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Und wie das dann aussehen könnte? Och. So vielleicht:

(Selber machen? Los geht’s: Vorspeise, Hauptgericht, Dessert. Guten Appetit!)

An meine erste Dorade erinnere ich mich noch sehr genau: Als Lehrling für einen Tag bei Andreas Müller im Adler am Schloss, Bönnigheim. Die Tischnachbarin hatte eingeladen, ihren Geburtstag dort beim Kochkurs zu feiern. Und so standen das Springerle und ich messerbewaffnet vor dem glotzenden Tier und sollten es nach einmaligem Zeigen zerlegen. Ich mach’s kurz: Ich hab das Ding total versäbelt und wir legten es peinlich berührt in einem unbeobachteten Moment zu den anderen Filets. Als der Koch kurze Zeit später die Gruppe zur nächsten Etappe versammelte und gerade ansetzte, fiel sein Blick auf das kümmerliche, geschundene Teil. Er brach mitten im Satz ab, hob es kopfschüttelnd in die Höhe, blickte fragend in die Runde. In diesem Moment bekam das Springerle einen Lachflash und war deswegen fortan als offizielle Täterin verschrieen. Sie konnte nicht rechtzeitig wieder aufhören, um die Sache klarzustellen (und ich tat einen Teufel). Faktisch muss ich sie bis heute nur breit angrinsen und „Dorade“ sagen – das Springerle lacht sich zuverlässig einen Ast.

Die zweite Dorade war heute fällig (und diesmal stammte das Getier tatsächlich von Edeka). Zur Sicherheit habe ich mein Wissen im Internet noch mal aufgefrischt. Los ging’s. Dori starrte böse vor sich hin. Mein Messer ist zwar ein gutes, aber eben kein supergeschärftes Profigerät, entsprechend war der Fisch schon halb massakriert, bevor ich die Haut durchbohrt hatte. Die Finger waren auch ständig in Gefahr. Ordentlich geflucht, Nase gerümpft, weltmeisterlich gesäbelt, die letzten Gräten mit der Telefonzange rausgerupft, gewaschen und getan, als müsste ein Doradenfilet genauso aussehen und nicht anders. Madame, es ist hingerichtet. Guten Appetit.

Was ein Fest. Zuerst mit der gesamten Family bei den Großeltern zum Plätzchen-Kuchen-Brezel-Kaffee und Bescherung Nummer 1 (Oma mit dem frisch ausgepackten Geschenk in der Hand: „Oh, das ist aber schön. Darf ich das behalten?“). Dann der Weihnachtsabend zu siebt bei Mom. Mein Patenkind Cornelius, der zur Zeit als Austauschschüler in Kansas ist, war immerhin am Telefon dabei, wir haben gesungen, noch mehr Geschenke ausgepackt, gelacht und ja, auch gestritten – zum Glück nur kurz. Das Schönste dieses Jahr aber war, dass meine Schwester Meike und ich der Family ein Überraschungemenü bereiten durften. Wir haben wochenlang die Menüfolge geplant, Deko festgelegt (in lila, grau/silber und weiß), fleißig Geheimnis gekrämt, exotischen Kram eingekauft (getrocknete Sauerkirschen, Chilifäden, Kardamomkapseln, Granatäpfel, Kakaobohnen) und vergeblich nach Gemüsechips gefahndet. Die habe ich schlussendlich selbst gebastelt und meine Wohnung stinkt immer noch. Aber egal! Es war köstlich, uns hat’s riesigen Spaß gemacht und den anderen himmlisch geschmeckt. En détail:

menu_xmas_2008

Das Schokosoufflé zum Schluss allerdings war schlichtweg too much, das Kardamom-Pannacotta mit der Granatapfelsoße hätte voll und ganz gereicht. So sind wir dann weit nach Mitternacht von dannen gerollt, und die letzten Worte kamen stellvertretend für alle von Meike: „Morgen ess ich nix.“

Nächstes Mal doch wieder Edeka.

Veröffentlicht: 19. Januar 2008 in Geschichten aus dem Supermarkt
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Tolles neues Rezept entdeckt. Seeteufel dazu gesucht. Fischladen gefunden („Stuttgarter Fischparadies“). Vorher angerufen, sei alles kein Problem. Gerade war ich dort. Und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich diesen Fisch tatsächlich essen sollte.

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