Mit ‘Musik’ getaggte Beiträge

In der Bahn sitzt mir eine sehr putzige, sehr aufgeweckte etwa Dreijährige gegenüber, in der Hand zwei Märchenfiguren, mit denen sie fröhlich die Grimm’sche Literatur nachspielt. Neben ihr die auffallend junge Mama, die sich irgendwann mit den Worten „Mach mal alleine weiter, ich muss mich noch fertigschminken“ aus dem Spiel zurückzieht und stattdessen Taschenspiegel und Wimperntusche zückt. Irgendwann wird das Spiel langweilig, die Dreijährige guckt sich ein bisschen um und fängt dann an zu singen – allerdings nicht Biene Maja oder irgendetwas anderes, was als Kinderlied durchgeht. Stattdessen trällert sie (und zwar erstaunlich ton- und aussprachesicher) den Refrain von Lykke Lis „I follow“.

„I, I follow, I follow you, deep sea baby, I follow you, I, I follow, I follow you…“

An dieser Stelle wird’s etwas undeutlich, weil sie den Text nicht parat hat. Ist aber kein Problem, da springt gerne die Mama ein:

„Süße, das heißt ‚dark room honey‘.“

(Das erinnert mich auch ein bisschen an die 9-Jährige zuhause, die kürzlich bei Freundinnen ein neues Lied entdeckte und dann den halben Nachmittag voller Begeisterung „Blow my whistle, baby“ sang.)

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Das war ein ziemlich aufregendes Jahr. Paar Tiefs, viele Hochs und im letzten Viertel – einmal mehr – eine Jungfrau-Kind-Nummer, die sich als Glücksgriff schlechthin entpuppt hat. Ja, macht glücklich. Schau‘ mer mal, wie sich das alles weiterentwickelt.

In den nächsten Tagen aber schaue ich erst noch ein paar Dutzend mal das folgende Video. Weil Schauen wie Hören hier gleichermaßen Freude macht und ich derzeit nicht genug bekommen kann. (Zumal ich auf dem Sofa liege und die Übelkeit niederkämpfe. Eine Introspektive zu Weihnachten hatte ich mir irgendwie besinnlicher vorgestellt.)

Merry Christmas!

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Früher war’s die Platte mit der Schlumpfenweihnacht, die meine Schwester und ich in Dauerschleife hörten. Und ja, zugegeben, ich habe sie mir später auch als CD gekauft und wenn’s mich mal wieder packt, dann – egal. Jedenfalls öffne ich jedes Jahr zum ersten Advent die Weihnachts-Playlist, räume darin ein bisschen auf und um. Chris Reas „Driving home for Christmas“ und „Last Christmas“, tut mir leid, gehören zu den ewigen Must-Plays, die bleiben dabei. Herrlich auch die Barenaked-Ladies-Version von „Jingle Bells“ (besser nicht hinschauen) und noch einige andere.

Die aktuelle Dauerschleife ist aber eine andere. Nämlich dieser wunderbar leise, leichte, raue, wie auf schneeflocken schwebende (ihr merkt schon, ich bin auf musikalischer Droge) Song von Rachael Yamagata – die ich vorher nicht kannte, von der ich mir bei Gelegenheit aber noch mehr anhören muss. Jemand hat ihn auf das Album „Moreorless Christmas 7“ gepresst, gemeinsam mit ein paar anderen Ohrenschmeichlern, zum Beispiel einem hauchzarten Cover von Joni Mitchells „River“. Angus Stone singt es mir stündlich.

Ein ganzes Orchester auf den Lippen.

Veröffentlicht: 12. Mai 2011 in Job
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Er ist Komponist. Kein Pop, kein Rock, keine Klassik, nein, er komponiert Filmmusik, zum Beispiel für verschiedene Tatorte, für Aimée & Jaguar oder für Doctor’s Diary. Den musikalischen Akzent setzt er dabei immer haargenau neben den Bildschnitt, sonst wird die Wirkung zu mächtig. Und manchmal kommt es auf die kleinsten Töne an. Wie damals bei dieser Grille, die im Theater irgendwo in der Unterbühne lebte. Gesehen hat sie niemand, dafür aber umso öfter gehört: Das Stück spielte in Norwegen, es sollte kalt sein, die Schaupsieler trugen dicke Jacken. Nur: Sobald diese einzelne Grille zu zirpen begann, herrschte auf der Bühne schlagartig eine Stimmung wie in der Toskana. Bis der Kammerjäger kam.

Für seine Kompositionsarbeit ist der Mac mit der angeschlossenen Klaviertastatur unverzichtbar. Wenn er den Computer bedient, berührt er ihn mit derselben Sanftheit wie das Piano. Er zeigt uns, wie die Musik eine Filmsequenz nicht nur unterstützt, sondern ihr je nach Stimmung eine völlig neue Bedeutung verleiht. Dazu komponiert er aus dem Stegreif wundervolle kleine Melodien – „keine große Sache“ – oder kramt die Pauken und Trompeten aus seinem digitalen Musikarchiv. Bewundernswert und faszinierend. Ich könnte auch ganz ohne Film mit geschlossenen Augen lange zuhören. Damit wäre allerdings das Beste verpasst: der Anblick des Komponisten. Er wippt nicht nur mit dem wildlederschnürbeschuhten Fuß und wackelt mit den Fingern auf den Oberschenkeln, er legt nicht nur den Kopf schief und nickt damit herum, als dirigiere er ein unsichtbares Orchester. Es sind die Lippen. Voll, geschwungen und mit ausgeprägtem, leicht gewölbtem Herz. Das zieht er nach links und rechts, wenn die Streicher erklingen, als zöge er seinen Lippenbogen über die Saiten. Oder spitzt es an, senkt es von oben nach unten, ganz so als sei er es, der da gerade die Luft über die Öffnung der Querflöte bläst.

Send along your seed.

Veröffentlicht: 13. Februar 2011 in Aufgelesen
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Since I have a secret crush on Stephen Fry I can only agree with Molly Lewis: His DNA is not supposed to vanish from this world. Although, honestly, I wouldn’t have come up with the idea of having his baby and – even more – have my boyfriend help him getting rid of the seed. So, kudos and lots of laughter to Molly Lewis (whose serious and sublime presentation adds up to the grandeur of this song)… 😀

(via Spreeblick who, of course, have it from Stephen Fry himself)

Hausmusik.

Veröffentlicht: 25. Juni 2010 in Das Leben im Allgemeinen
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by Jsome1

Als ich die Hoffnung auf ein Zimmer in Tübingen schon aufgegeben und mich auf die ewige Pendelei eingestellt hatte, geschah sowas wie ein kleines Wunder: Abends klingelte das Telefon, es meldete sich ein Giovanni mit einem weichen italienischen Akzent und bot mir ein Zimmer in einer 3er-WG an. Er sei Doktor der Philosophie, sein Mitbewohner Theologe und der dritte im Bund sei kurzfristig nach Qatar gereist, so für die nächsten beiden Jahre.

Am nächsten Abend öffnete Giovanni mir die Tür. Er ging mir bis zur Brust und trug ein lilafarbenes Spängchen im Haar, aber er kochte den besten Espresso, den ich je getrunken hatte. Ab Juli hatten sie bereits einen dauerhaften Mitbewohner gefunden, aber die paar Tage des Juni könne ich bleiben. Die Wohnung war, nun ja, nicht sehr sauber und im Bad tummelten sich zwei Spinnen an der Wand. Aber der Espresso war wirklich gut, Giovanni wirklich nett, des gerade abwesenden Theologen Zimmer wirklich blitzordentlich und die Miete quasi nichts. Ich sagte zu und zog einen Tag später ein.

Das war gestern. Spätabends stand ich dann im Bad, vorsorglich mit Hausschuhen bewehrt, dabei hätte ich mir angesichts der Waschbecken Gummihandschuhe gewünscht. Und ein paar Liter Sagrotan. Immerhin, aus der Leitung kam klares Wasser. Ich nahm mir fest vor, ein paar Ekel-Fotos zu machen. Aber als hätte der (inzwischen aufgetauchte und ebenfalls sympathische) Theologe meine Gedanken gehört, hinterließ er heute Morgen zwei strahlend saubere Waschbecken im Bad. Good morning.

Und vorhin, letzte Abendsonne, sah ich ihn mit seiner Gitarre auf dem Balkon. Summend, völlig versunken in Alanis Morrissette. Ich stellte mich daneben. Hörte ein paar Momente lang unbemerkt zu. Fing an zu singen. Und bekam Herzklopfen, wegen des schönen Moments.

You live, you learn.

Aaaaaaaaawwwwwwwww!

Veröffentlicht: 27. April 2010 in Funstuff
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Wenn der kein Gitarrengott wird, dann weiß ich auch nicht. Das mit der Aussprache üben wir bis dahin noch. 😉

(Bei 1:17 Uhr bricht so richtig die Leidenschaft durch.)