Mit ‘Nutella’ getaggte Beiträge

Süß.

Veröffentlicht: 26. August 2012 in Das Leben im Allgemeinen, Die Liebe im Besonderen
Schlagwörter:,

Ich war überhaupt kein Nutella-Kind. Die habe ich erst zu Studienzeiten entdeckt, dann aber richtig. Löffelweise. Die Gläser hielten alle nicht sonderlich lange und nach ein paar Jahren zog ich die Notbremse: Nutella kam nicht mehr ins Haus, außer vielleicht mal zu besonderen Gelegenheiten. Inzwischen sind diese Gelegenheiten zahlenmäßig bei Null angelangt. Was ich mir aber immer noch gerne gönne, sind die Nutella-Einzeldosen, die man in der Gastronomie serviert bekommt. Wenn ich die nicht direkt dort aufs Brot schmiere, stecke ich sie sogar ganz schamlos in die Tasche – genauso wie die übrig gebliebenen Packungen meiner Mitesser. 15 Gramm sind da jeweils drin, also aus Sicht echter Nutella-Freunde geradezu lächerlich klein, aber was soll’s.

Auf diesem Wege hatten sich hier in den vergangenen Monaten vier Päckchen angesammelt, wie mir heute morgen – verregnet, gemütlich, spätes Frühstück an einem ausnahmsweise freien Sonntag – einfiel. Der Mann – weder Nutella-Kind noch sonstwie großartig schokoladig unterwegs – betrachtete die kleine Sammlung interessiert und fragte dann: „Kann ich auch was haben?“ “ Klar“ sagte ich, „nimm Dir eins.“ Woraufhin er mit einem leicht entgeistertem Blick sagte: „Neeeiiin, kein ganzes! Mir reicht was von Deinem!“

Süß.

Advertisements

Bei mir gibt’s kein Nutella. Höchstens einmal im Jahr. Weil ich das Zeug im Unverstand und löffelweise und zu fast allem essen könnte, da hält so ein Gläschen nicht länger als ein paar Tage. Inzwischen hat sich das geändert, und das liegt maßgeblich daran, dass ich mir den Kauf eines Tages radikal verboten habe. Geht auch so, und da ich seit vier Monaten ohnehin mein Brigitte-Diätprojekt betreibe und mich mit inzwischen sechs Kilo und einer Kleidergröße weniger dermaßen wohl fühle, sexy und überhaupt, wollte ich es dabei auch belassen. Bis Petersen Montagabend hier eintraf und, gefragt was er denn frühstücken wolle, sagte: „Och, Toast und Nutella, das reicht schon.“ – „Schulligung, hab kein Nutella.“ Dieser Gesichtsaudruck, irgendwo zwischen fassungslos und zutiefst entsetzt! Ein Hauch Existenzangst lag darin, die nackte Panik vor dem Elf-Uhr-Loch.

Nutella ist ohnehin eine Philosophie. Mit irgendeiner anderen Schokocreme braucht man den meisten Menschen ja gar nicht kommen, da verzichten sie lieber ganz. Kann ich aber nachvollziehen: Wenn, dann das Original. Manche lieben es pur auf dem Löffel, andere pur auf dem Brötchen und Petersen packt genüsslich sogar noch ne Lage Lätta dazwischen. Man stelle sich das vor: Da isst man schon Nutella und streicht Diätmargarine darunter! Eine befreundete Familie ging sogar so weit, ihren kleinen Kindern weiszumachen, Nutella sei furchtbar scharf. Das hat drei Jahre lang prima funktioniert – bis der Ältere bei Nachbars morgens Nutella aufs Brot bekam. Seither wird nur noch seine kleine Schwester veräppelt (und sie darf vermutlich niemals bei den Nachbarn schlafen.)

Dienstag also zog ich los, Nutella zu besorgen. Ließ das 75-Gramm-gratis-dazu-Glas stehen, nahm das normale und macht Petersen glücklich. Hielt mich zurück.

Vor einer Stunde haben wir das gemütliche Abschiedsfrühstück beendet und Petersen, der alte Fischkopp, gondelt gerade über die Autobahn zurück in den Norden. Es ist noch ein frisch aufgebackenes, duftendes Brötchen übrig. Und ein gut gefülltes Nutella-Glas.

Ratet.