Mit ‘petersen’ getaggte Beiträge

Bei mir gibt’s kein Nutella. Höchstens einmal im Jahr. Weil ich das Zeug im Unverstand und löffelweise und zu fast allem essen könnte, da hält so ein Gläschen nicht länger als ein paar Tage. Inzwischen hat sich das geändert, und das liegt maßgeblich daran, dass ich mir den Kauf eines Tages radikal verboten habe. Geht auch so, und da ich seit vier Monaten ohnehin mein Brigitte-Diätprojekt betreibe und mich mit inzwischen sechs Kilo und einer Kleidergröße weniger dermaßen wohl fühle, sexy und überhaupt, wollte ich es dabei auch belassen. Bis Petersen Montagabend hier eintraf und, gefragt was er denn frühstücken wolle, sagte: „Och, Toast und Nutella, das reicht schon.“ – „Schulligung, hab kein Nutella.“ Dieser Gesichtsaudruck, irgendwo zwischen fassungslos und zutiefst entsetzt! Ein Hauch Existenzangst lag darin, die nackte Panik vor dem Elf-Uhr-Loch.

Nutella ist ohnehin eine Philosophie. Mit irgendeiner anderen Schokocreme braucht man den meisten Menschen ja gar nicht kommen, da verzichten sie lieber ganz. Kann ich aber nachvollziehen: Wenn, dann das Original. Manche lieben es pur auf dem Löffel, andere pur auf dem Brötchen und Petersen packt genüsslich sogar noch ne Lage Lätta dazwischen. Man stelle sich das vor: Da isst man schon Nutella und streicht Diätmargarine darunter! Eine befreundete Familie ging sogar so weit, ihren kleinen Kindern weiszumachen, Nutella sei furchtbar scharf. Das hat drei Jahre lang prima funktioniert – bis der Ältere bei Nachbars morgens Nutella aufs Brot bekam. Seither wird nur noch seine kleine Schwester veräppelt (und sie darf vermutlich niemals bei den Nachbarn schlafen.)

Dienstag also zog ich los, Nutella zu besorgen. Ließ das 75-Gramm-gratis-dazu-Glas stehen, nahm das normale und macht Petersen glücklich. Hielt mich zurück.

Vor einer Stunde haben wir das gemütliche Abschiedsfrühstück beendet und Petersen, der alte Fischkopp, gondelt gerade über die Autobahn zurück in den Norden. Es ist noch ein frisch aufgebackenes, duftendes Brötchen übrig. Und ein gut gefülltes Nutella-Glas.

Ratet.

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Typisch Petersen.

Veröffentlicht: 17. Dezember 2008 in Family & Friends
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Wo ich gerade in den Erinnerungen wühle: Vor ein paar Jahren habe ich Petersen zum Geburtstag eingeladen, und er ist dafür extra 500 Kilometer weit angereist. Das allein weiß ich sehr, sehr zu schätzen. Es kommt aber noch besser: Etwa eine Woche vor dem großen Tag rief er an und fragte, ob ich ein ungewöhnliches, großes Geschenk wolle oder ein handelsübliches, handliches?

Ich habe nicht lange überlegt. Wenn sogar Petersen, der Mann mit Hirsch, Muezzin-Wecker und Schaufensterpuppenunterteilküchentisch etwas als ungewöhnlich empfindet, dann muss das schon eine bemerkenswerte Nummer sein. So war’s dann auch. Er rückte mit einer Aluminium-Sandwichplatte in der Größe ein mal zwei Meter an, auf die er mit Edding einen megageilen Silver Surfer gemalt hatte. Das heißt, ursprünglich war die Platte ein mal zwei Meter groß. Als Petersen beim Einladen allerdings bemerkte, dass das Teil nicht in den Kofferraum passte, hat er mit der Handkreissäge kurzerhand 20 Zentimeter abgeschnitten.

Was dem Bild keinen Abbruch tat. Der Silver Surfer hat in meiner Wohnung seither einen Ehrenplatz.

Lehmann & Petersen.

Veröffentlicht: 17. Dezember 2008 in Family & Friends
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Es war die coolste WG, die ich je erlebt habe: Lehmann & Petersen, Berlin 1997. Ich war damals im zweiten Semester, hatte ein Praktikum beim Berliner Kurier klargemacht und wurde eines schönen Sonntags also in der Hauptstadt angespült. Zunächst landete ich bei Anna, einer Freundin meines Vaters. Sie kann zwar nicht mit Dauergästen für sechs Wochen, hatte aber versprochen, sich etwas einfallen zu lassen. Zunächst wollte sie mich bei ihrem Drüberbewohner einquartieren, dem Autoren Thomas Brussig. Brussig war allerdings damals gerade im Stress irgendwo zwischen Helden wie wir und Sonnenallee und brauchte seine Ruhe. Bei der nächsten Anlaufstelle, einem ihrer Freund in der Mommsenstraße, spielte der Mitbewohner nicht mit. Da fiel ihr die rettende Lösung ein: Ihr Cousin und sein Bauingenieur-Studienkollege, gemeinsam Lehmann & Petersen. Abends zog ich ein. Verkündete noch schnell meinen unmittelbar bevorstehenden Geburtstag und fand am nächsten Morgen in der Küche: Einen halben Marmorkuchen mit Kerze, eine liebevoll geschenkverpackte Tafel Kinderschokolade und eine Geburtstagskarte, mit der ich zu einem „echt nordischen Abendessen“ eingeladen wurde. Wow.

Berlin war für mich ohnehin schon große weite Welt, aber die WG war noch mal das Sahnehäubchen, allein der gesammelten Kuriositäten wegen, die da auf drei Zimmern Altbau verteilt waren. Tapeten wie bei Oma, ein Sofa mit Kuhüberzug, darüber röhrte ein stattlicher Hirsch aus seinem goldenen Rahmen. Als Küchentisch eine schwarz lackierte Schaufensterpuppe vom Allerwertesten an abwärts plus Tischplatte und Barhocker. An der Decke eine aus Alteisen selbst konstruierte Lampe (dem Ingenieur is nix zu schwör). Bücherstapel an jeder Ecke. Eine Vase mit künstlichen, leuchtenden Tulpen. Ein Moschee-Wecker, aus dem jeden Morgen der blecherne Ruf des Muezzin erklang, in einer Lautstärke, dass man selbst am anderen Ende der Wohnung sofort aus dem Bett fiel. Kurz gesagt: Es war herrlich.

Die Jungs hatten außerdem die Boxen der Musikanlage vom Wohnzimmer in die Küche und ins Bad verlegt, ordentlich auf aufgeschnittenen Filzbällen gelagert. Megacool, jeweils mit der aktuellen Lieblingsmusik zu duschen! Es war allerdings damit zu rechnen, dass währenddessen ein Mitbewohner nach Hause kam und mit gemeinem Grinsen im Gesicht die neueste Hardcore-Scheibe einwarf. Das ist ähnlich fies wie in der Küche das Wasser aufzudrehen, wenn man genau weiß, dass der Heißwasserboiler nicht beide Hähne gleichzeitig bedienen kann.

Zum Glück gab es in der Küche aber gar kein heißes Wasser. Den Abwasch sammelten wir wochenweise bis zu einer schier unmöglichen Höhe (Bauingenieure eben) und kurz vor Einsturz  gab’s ne Spülparty. Heißes Wasser aus dem Bad und dem Wasserkocher, dazu guter Whiskey, Musik, herrliches Blödsinngequatsche. Und Gäste – das Schauspiel hatte sich schnell rumgesprochen. Ich bin nach sechs Wochen nur sehr schweren Herzens wieder nach Heidelberg in meine Studentenbutze zurückgegangen und habe ernsthaft überlegt, nach Berlin zu ziehen.

2008. Gerade jetzt, in diesem Moment, schläft Petersen im Zimmer nebenan. Ich habe nach über elf Jahren endlich eine Chance bekommen, mich zu revanchieren, weil er in Stuttgart ein 5-tägiges Seminar besucht. Mit Lehmann haben wir natürlich schon telefoniert, quasi ein flotter Revival-Dreier. Und sonst so: Keine Box im Badezimmer, aber Heißwasserboiler mit begrenzten Fähigkeiten. Der Whiskey steht bereit, und um nichts in der Welt möchte ich diese Woche eine Spülmaschine geschenkt bekommen. 😀