Mit ‘Sex’ getaggte Beiträge

Das zehnjährige Kind und ich unterhalten uns im Schwimmbad über ein optisch ungleiches, am Beckenrand heftig knutschendes Pärchen. Sie wiegt ungefähr dreimal so viel wie er. Das Kind findet: Passt nicht. Ich versuche, eine Lanze zu brechen: „Vielleicht passt es aber sonst ganz wunderbar, weißt Du? Ich vermute, die denken ähnlich, finden die selben Dinge gut, haben den gleichen Humor und so.“

Das Kind denkt kurz nach, wägt die Wahrscheinlichkeiten ab und sagt dann: „Na gut. Dann muss sie aber unten liegen.“

Vor drei Tagen macht es pling und der Nachrichtenticker spuckte eine neue Meldung aus: Belgiens Frauen seien zu einem Sex-Streik aufgerufen, um die dahindümpelnde politische Krise im Land zu beenden. Die Idee kam von Senatorin Marleen Temmerman und war, wie sie eilig nachgeschoben hat, nicht ganz ernst gemeint. „Wir haben uns gefragt, was die Frauen tun können“, erläuterte die Parlamentarierin ihren Vorschlag dennoch – und erntet nach eigener Aussage viel Zuspruch.

Irgendwann möchte ich mal sagen können, dass mich solche Einwürfe langweilen. Das würde nämlich bedeuten, dass sie emanzipationspolitisch nicht mehr relevant wären. Derzeit muss ich mich leider noch darüber aufregen. Das Beispiel zeigt einmal mehr, wie archaisch das Bild der Frau in der Gesellschaft nach wie vor ist, aller stolz vor sich hergetragenen Emanzipation zum Trotz. Dem echten, inneren Feminismus ist doch irgendwo unterwegs die Puste ausgegangen.

Das Perfide daran ist, dass derartige Äußerungen in aller Regel von Frauen postuliert werden – und die dürfen das auch noch weitgehend ungestraft. Jeder Mann wäre für so viel Frauenverachtung längst geteert und gefedert worden. Nur wir Frauen dürfen ungehemmt weiter darauf bestehen, dass wir eigentlich in die Küche und ins Bett gehören. Auch zu sehen an den verschiedenen Standpunkten beim Thema Frauenquote. Viele Frauen lehnen die Quote vehement ab, mit dem Verweis, sie wollten aufgrund ihrer Leistung nach oben kommen. Das kann ich verstehen, so habe ich auch lange über die Quote gedacht. Nur: Gute Leistungen reichen als Frau nicht im gleichen Maße aus wie als Mann. Wir bekommen bei gleicher Leistung und Qualifikation ja oft noch nicht mal dasselbe Gehalt.

Eine Frauenquote kann in diesem Sinne eben nicht bedeuten, wie von vielen interpretiert, dass eine für den Job ungeeignete Frau eingestellt wird, nur weil sie eine Frau ist. Wir reden hier von Gleichberechtigung bei gleicher Qualifikation. Wir reden von einer Chance in einer Gesellschaft, in der Männer im Job immer noch mehr gelten. Die Frauenquote könnte den Einstieg ermöglichen. Ansonsten gilt wie immer: Wer seinen Job nicht gut macht, ist ihn – als Mann oder Frau – im Zweifel schnell wieder los. Zu Recht.

Und ja, ein Stück weit kann ich die  Argumentation nachvollziehen, dass Frauen nicht so sehr nach oben wollen wie Männer. Aber warum? Könnte durchaus damit zu tun haben, dass sich Frauen anders als Männer oft zwischen Familie und Beruf entscheiden müssen. Damit sind wir bei einer weiteren Gruppe entschiedener Gegnerinnen der Frauenquote: Die, die sagt, die Quote bringe nichts. Wir bräuchten nicht mehr Frauen in den Vorständen, sondern zunächst mal bessere Bedingungen für Mütter in Form von Teilzeitmodellen, Home-Office-Optionen und vor allem besserer Kinderbetreuung. Ja, natürlich! Aber wären weibliche Vorstände und Geschäftsführerinnen nicht der sehr viel effektivere Weg, genau das zu erreichen? Wer will sich denn da allen Ernstes auf die Politik verlassen?

Ich nicht. Und im Übrigen, Frau Temmerman, habe ich Sex, weil er Spaß macht – nicht, um meinen Mann von Wichtigerem abzuhalten. Sie hoffentlich auch.

Nina Sayers ringt um Perfektion und verbietet sich darüber jegliche Leidenschaft. Ihr Tanz ist bis ins Letzte kontrolliert, seine makellose, schüchterne  Schönheit bringt ihr die Rolle des weißen Schwans ein. Aber sie soll auch sein verführerisches, bösartiges, schwarzes Pendant tanzen – und davon ist sie Welten entfernt. Ihr fehlt die Leichtigkeit. Sie ist so tief in ihr vergraben, dass ich ihr aus dem Publikum in jeder zweiten Szene ein stummes „Trau Dich endlich, leb‘ verdammt noch mal!“ zuflüstere. Ich kann ihre Angst nachfühlen. Den Ansprüchen nicht genügen, versagen, die Kontrolle verlieren. Gedanken, gemacht dafür, sich selber im Weg herumzustehen.

Die einzelnen Fetzen lösen sich nur mühsam aus ihrer kontrollierten Persönlichkeit und geben einer ausgewachsenen Psychose Raum. Szenen, bei denen ich vor Grauen – und Spannung – beide Hände vor das Gesicht nehme. Die Begleitung guckt erst gar nicht mehr hin.

Jedem halbwegs erfahrenen Hollywood-Zuschauer ist klar, dass Nina die Verwandlung im entscheidenden Moment, nämlich in der Premiere gelingen wird. Und dennoch: Als der stolze schwarze Schwan mit aller Gewalt buchstäblich aus ihr herausbricht, höre ich auf zu blinzeln, weil ich keine Millisekunde verpassen will. Ihre Kraft und ihr Wille, die ganze Ausstrahlung ist atemberaubend. Anbetungswürdig.

„Black Swan“ ist gewalttätig – und gewaltig. In Bildern, in der Musik und vor allem in Portmans Darstellung. Empfehlung: Unbedingt anschauen. (Ich komme noch mal mit.)