Das voll digitale Kind.

Veröffentlicht: 6. August 2015 in Family & Friends
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 Es ist ein Klassiker: Das Kind schläft auf den letzten Kilometern vor dem Urlaubsziel endlich ein. Rausreißen? Nein. Ich beschließe, sie im Auto vor dem Wohnzimmerfenster der Ferienwohnung sitzen zu lassen, mit Babyfon-App auf dem (gesperrten) Smartphone. Da habe ich sie im Blick. Von dort aus tut sich: nix. Weil ich der App aber nicht ganz traue, schaue ich eine Viertelstunde später mal kurz am Autofenster vorbei. Und sehe: Ein ausgesprochen waches Kind, das mir mit einem fröhlichen „Ändi!“ mein Smartphone entgegenstreckt. Sie hat alle ausgehenden Anrufe blockiert, außerdem den Nicht-stören-Modus aktiviert und zwölf Fotos geschossen.

(Ich bin so stolz auf sie.)

Lustkauf, leider verdorben.

Veröffentlicht: 4. August 2015 in Geschichten aus dem Supermarkt
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Foto

 

Ich hab’s getan. Bin einem Jahr nach Erscheinen erlegen. Dem iPhone6. Weil mein 4er hinten und vorne gesplittert ist. Weil das Betriebssystem nicht mehr aktualisiert wird. Weil ich damit die neue Produktions-App meines Arbeitgebers nicht nutzen kann. Weil ich es schon sechs treue, lange Jahre habe. Weil das 6er so tolle Fotos machen kann.
WEIL ICH WILL!

Aber Gravis hat’s mir versaut. Eben beim Abholen des online bestellten Artikels im lokalen Geschäft.

Verkäufer: „Welche Hülle nehmen Sie denn dazu?“
Ich: „Keine, die gefallen mir nicht.“
V:  „Wir haben alle auch ausgepackt da, zum Anfassen.“
K: „Danke, sie gefallen mir nicht.“
V: „Sie sollten Ihr iPhone aber schon schützen.“
K: „Klar.“
V: „Dann kann ich Ihnen noch verschiedene Versicherungen empfehlen.“
K: „Habe ich online gesehen, nein danke.“
V: „Aber blablablaaaaa blabla Wasserschaden…bla….Sturz…bla….bla… kostet auch nur 99 Euro für zwei Jahre.“
K: „Nein, danke.“
V: „Sie haben vorhin den Kameraschutz für 10 Euro angesehen, wenn Sie den zur Versicherung dazunehmen, kann ich Ihnen um 20 Euro entgegenkommen.“
K: „Nein.“
V: „Das sind dann nur noch 70 Euro, das lohnt sich wirklich, weil da ist dann blaaaa…Wasserschaden…blabla…Sturz…..“
K: „Nein.“
V: „Nehmen Sie den Kameraschutz dann trotzdem mit?“
K: „Nein. Sie könnten mir aber mal eben sagen, was die Reparatur vom Gehäuse des iPhone4 kosten würde.“
V: „120 Euro.“
K: „Aha, danke.“
V: „Aber nicht, dass Sie jetzt denken – beim iPhone 6 würde das viel teurer werden, da sind wir gleich bei 300 oder 400 Euro, da würde sich dann der Versicherungs…“
K: „Nein.“
V: „Das ist schon sinnvoll, weil blaa…..Sturz…blablaaaaa…..Wasserschaden….blaaaa.“
K: „Kann ich das Angebot auch nachträglich dazukaufen?“
V: „Ja, natürlich. Dazu müssten unsere Techniker das Gerät dann überprüfen, da wird zusätzlich zur Versicherung eine Servicepauschale fällig.“
K: „Dann nicht.“
V: „Na gut. Aber ich habe es Ihnen gesagt!“
K: „Durchaus.“
V: „Also, hier ist Ihr iPhone. Ein Jahr Garantie.“
K: „Gibt es nicht eine gesetzliche vorgeschriebene Garantiefrist von zwei Jahren?“
V: „Gewährleistung! Gewährleistung, nicht Garantie. Gewährleistung bedeutet, dass das Gerät  bei Übergabe einwandfrei sein muss. Wenn in einem Jahr und zwei Monaten die Kamera kaputtgeht, dann ist das nicht mit der Gewährleistung abgedeckt. Und die Gewährleistung ist auch nicht gültig für Sachen wie Sturz…bla…Wasserschaden…bla.“

An diesem Punkt bin ich kurz davor, das Ganze abzubrechen und das Geschäft ohne iPhone zu verlassen. So ein unverfrorenes, drückerhaftes Verkaufsgespräch habe ich selten erlebt. Weil ich aber endlich ein neues Smartphone und zwar dieses will, halte ich durch. Mit zusammengebissenen Zähnen. Was mich gerade etwas ärgert, ich hätte ihm doch besser drei warme Worte zum Thema Verkaufsstrategie mitgeben sollen. Möglicherweise kaufe ich auch in sechs Jahren oder so eines der Nachfolgemodelle. Oder Zubehör. Aber garantiert nicht mehr hier. Und vielleicht freue ich mich nächste Woche über das neue schicke Dings, das mich dann begleitet. Aber für den Moment ist mir die Lust daran gründlich vergangen. Schade drum, Gravis.

Supergeile Mutti.

Veröffentlicht: 25. Februar 2014 in Geschichten aus dem Supermarkt
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Edeka hat’s mal wieder geschafft. Viralmarketing auf hohem, sehr unterhaltsamen Niveau mit diesem großartigen spielenden Entertainer. Meine Version der gesammten Reihe ist klar. Spiele ich ab sofort morgens nach jeder dürftig mit Schlaf versorgten Nacht, mittags, wenn das Zauberdings mal wieder in einen vollen Löffel Karotte-Kartoffel geniest hat und abends, wenn sie endlich tief und fest schlummert.

Anprangerung.

Veröffentlicht: 25. Februar 2014 in Aufgelesen
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Martha Stewart weddingsMist. Jetzt hat man mich als angehende Braut mich angefixt, dieses in den USA erhältliche wedding-Heft von Martha Stewart sei ja dermaßen toll. Und sogar als iPad-App erhältlich! Und dann muss ich feststellen, dass es iOS 6 erfordert. Ich habe aber ein iPad der allerersten Generation, damals schon gebraucht gekauft, weil es für meine Zwecke vollkommen ausreicht. Und das heißt: Bei iOS 5 ist Schluss. Eine total durchsichtige Masche von Apple, für ältere Geräte keine Betriebssystem-Updates bereitzustellen. Und leider funktioniert sie. Ich prangere das an!

Grmpf. Ich verweigere mich an dieser Stelle. Kein wedding magazine für mich. Ich kann auch ohne heiraten. Ganz bestimmt.

Mein Brautkleid bleibt mein Brautkleid.

Veröffentlicht: 18. Februar 2014 in Family & Friends
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„Es tut mir leid, Sie müssen das Kleid jetzt wieder ausziehen.“ BITTE?!?
„Gerade kam eine Kundin, die ist extra wegen dieses Modells da.“ petticoat

Da stehe ich also. Der Mann und die beste Freundin schauen völlig hingerissen. Ich trage ein traumhaftes Brautkleid, es ist das erste, das ich überhaupt anhabe und das einzige, das ich in diesem Laden anprobiere. Er ist wunderhübsch und ich fahre schon lange täglich mit der Bahn daran vorbei, aber er wird schließen und es sind nur noch ein paar wenige Brautkleider da. Das hier habe ich zielsicher rausgegriffen, es hat mich sofort begeistert. Die anderen sind nicht mein Fall. Aber kann ich ernsthaft das allererste Kleid kaufen, in das ich reinschlüpfe? I mean, really? Und was ist mit den geplanten Besuch etwa dreier Brautstudios und dem Posing in mindestens 20 Kleidern bei Prosecco? Ich will ja nur ein einziges Mal heiraten, das muss ich sowas doch voll auskosten!

Ich regle das über den Preis, denke ich mir. Das Kleid ist bestimmt auch mit Räumungsverkaufrabatt so teuer, dass ich es nicht innerhalb von zehn Minuten kaufen werde. Im Grunde genommen habe ich noch nicht mal die, denn die Verkäuferin lässt mich das Kleid keine Sekunde lang reservieren – es ist eben Räumungsverkauf. „Was kostet es?“ frage ich also. „400 Euro“ kommt die Antwort, mir rutscht das Herz Richtung Reifrock. Ich schiele selbst aufs Schild. Heruntergesetzt von 980 Euro. Mist.

Ich ziehe das Prachstück erst mal wieder aus und schaue zu, wie es weggetragen wird. Ratlose Beratung mit den mitgebrachten Beratern. Was jetzt? Geht das? Einfach kaufen? Loslassen? Auch andere Brautläden haben schöne Brautkleider? Ja. Aber! Da kommt noch mal die Verkäuferin. „Wissen Sie“, strahlt sie, „das Kleid passt total gut zu der anderen Kundin, denn es heißt ‚Katrin‘ – und die Kundin heißt auch Katrin!“ Sensationell. Mit einem trockenen „Ich auch“ bringe ich die Dame erst mal zum verblüfften Schweigen. Noch mal Rücksprache. Noch mal die im Kleid geschossenen Fotos anschauen. Und der Mann sagt: „Weißt Du. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Du in irgendeinem anderen Kleid noch schöner aussiehst.“

Meins.

Böser, böser Unterzucker.

Veröffentlicht: 17. Februar 2014 in Family & Friends

Von meiner Schwangerschaftsdiabetes blieb zum Glück nicht viel übrig. Nur so viel:Wenn das 11-jährige und voll versierte Großkind bereits einen riesigen Teller Pasta oder Ähnliches verputzt hat, aber unbedingt noch was Süßes hinterher haben will, kommt es mit sinnierendem Blick auf mich zu und raunt bedeutungsvoll „Ich glaube, ich bin total unterzuckert.“

MilchkaffeeDer erste Schluck ist eine Offenbarung, der zweite die reine Freude. Weich gebranntes Braun, cremiges Weiß, perfekte Harmonie. Und das, obwohl Milchkaffee in The Barn Roastery als verpönt gilt. Ich übrigens auch ab demnächst. Die Rösterei mit Café im Prenzlauer Berg hat es geschafft, sich in kürzester Zeit bei zahlreichen Kinderwagenschiebern unbeliebt zu machen – mit einem Poller mitten im Eingang. Denn Kinder sind hier nur geduldet, wenn sie weder krümeln noch die Ruhe stören, erklärt der Inhaber sinngemäß im Gespräch mit der „Welt“. Sein Ziel: Kaffee zelebrieren – und da ist er übrigens konsequent: Laptops und Handys sind ebenso unerwünscht, Hintergrundgedudel sucht das Ohr vergeblich.

Und wenn er „Kaffee“ sagt, meint er das auch genauso. Ohne Schnickschnack wie Zucker und Milch. Filterkaffee ist das Gebot der Stunde, handgetropft. Dass ich meinen trotzdem mit geschäumter Milch bekomme, ist ein Zugeständnis an Berliner, die’s noch nicht begriffen haben. Und milchschaumversessene Stuttgarterinnen, die kurz vor der Geburt des ersten Kindes noch möglichst viel unternehmen wollen, was mit der gesamten Baby-Ausrüstung kompliziert wird.

Rüblikuchen

Den mütterlichen Aufschrei kann ich zwar im Ansatz nachvollziehen. Gleichzeitig finde ich es aber selbstverständlich, dass ein Café-Betreiber sein gewünschtes Konzept umsetzen darf. Und hier bin ich also – den hoch gelobten Kaffee kosten und der Barn Roastery nebenbei zeigen, was sie ab August verpassen wird.😉 Um es kurz zu machen: Ich liebe es. Helle, klare Weiß-und-Holz-Optik, lang gezogene Eck-Theke, eher spartanische Einrichtung mit nicht ganz bequemen Sitzklötzen und langer Bank, Baulampen an Wandhaken. Gedämpfte Atmosphäre, passend zum Regen vor der Türe. Stilechtes Kaffee- und Röst-Equipment. Und ein saftiger, verschwenderisch mit Zuckercreme garnierter Rüblikuchen, der mich gemeinsam mit dem Milchkaffee dazu verführt, hier ein paar Stunden in herrlicher Ruhe zu verbringen.

The BarnCopyright: Erik Borälv

PS: Kurz nach meinem Besuch Ende Mai haben sich die Sonntags-FAZ und die Stuttgarter Zeitung dem Trend zum Filterkaffee und auch der Barn Roastery gewidmet.